«Wir haben die Chance, Grosses zu bewegen»

Nach seinem riesigen Erfolg im «The Dolder Grand» wechselte Mark Jacob zum indischen Konglomerat InterGlobe. Jetzt ist er CEO des höchst erfolgreichen Start-up-Unternehmens Twinner in Oberried und möchte mit revolutionären Carbon-Speed-Velos Grosses bewegen.



Wieso haben Sie InterGlobe verlassen?
Mark Jacob: Mein Engagement war ein Turrnaround- und Repositionierungsprojekt. Ich durfte zwölf Hotels in Europa und eines in Australien während der zweiten Phase der Pandemie stabilisieren und konzeptionell für die Zukunft aufstellen. Mitte 2023 erreichten wir mit InterGlobe einen Meilenstein, indem die Hotels wieder die Geschäftszahlen von 2019 erreichten und die strategische Neupositionierung mitsamt ei­­genem Markenkonzept für die europäische Hotel Collection definiert war. InterGlobe hatte sich damals entschieden, die eigenen Hotels nicht selbst zu führen, sondern unter ein «White Label»-Management zu stellen. Für mich bedeutete dieser Zeitpunkt einen sinnvollen Abschluss meines Engagements, da ich nicht nur gerne konzeptionell arbeite, sondern noch mehr Freude habe an der Umsetzung zukunftswei­sender Ideen.

Ist das Projekt einer internationalen Lifestyle-Hotelmarke bei InterGlobe nach Ihrem Abgang gestorben?
Das Projekt ging selbstverständlich weiter. Dieses Jahr werden zwei Hotels unter der Marke «Miiro Hotels» in Saint-Germain (Paris) und im El Born Barcelona eröffnet, das dritte Haus der Collection wird 2025 in London (Earls Court) stehen. Alle drei Hotels hatte ich entscheidend mitentwickelt und freue mich auf deren baldige Eröffnung. «Miiro» setzt auf einen nach­­haltigen Städtetourismus. Die Hotels reflektieren die Seele der Quartiere, in denen sie sich befinden, und ­setzen auf echte lokale Verankerung. Sie sind sozialer Schmelztiegel und Treffpunkt für die lokale Bevöl­kerung. 

Wie kamen Sie dazu, ausgerechnet in die Velobranche zu wechseln?
Ich bin passionierter Velofahrer und erlebe an mir und meinen Freunden, wie viel Gutes einfaches Velofahren bewegen kann. Es ist nicht nur der sportliche Gedanke, sondern auch das gemeinsame Erlebnis, das die Bewegung ausmacht. Diese Leidenschaft allein ist natürlich nur die eine Seite. Die Zukunft spricht für eine Mobi­lität, die agiler, verträglicher und gesünder ist. Das Marktpotenzial für das Velo ist ungebrochen gross. Diese Dynamik aktiv mitgestalten zu können, fas­ziniert mich. Dazu kommt natürlich auch der Reiz an etwas Neuem. Die Möglichkeit, sich neu herauszu­fordern, viel zu lernen und sein Wissen in einen neuen Kontext einbringen zu können.

Was fasziniert Sie am Start-up-Projekt Twinner?
Mit Twinner sind wir hoch innovativ unterwegs und versuchen, den Status quo herauszufordern. Es ist ein Projekt, das von einem kleinen, schlagkräftigen Start-up-Team Mut, Weitsicht und Ausdauer erfordert. Wir wollen das beste S-Pedelec der Welt bauen und so einen Beitrag dazu leisten, den Pendelverkehr in den grösseren Agglomerationen neu zu definieren. Ge­­meinsam mit einem unglaublich talentierten Team habe ich die Chance, etwas Grosses zu bewegen und ein Kapitel der Schweizer Mobilitätsgeschichte neu zu schreiben.

Galten Sie bisher nicht eher als Liebhaber von grossartigen klassischen Motorrädern? 
Am Anfang stand das Fahrrad. Es war das Transportmittel, das in meiner Jugendzeit im Engadin unabdingbar war für das Zurücklegen von längeren Dis­tanzen. Zudem hatte ich einen derart grossen Be­­wegungsdrang, dass ich mein Mountainbike über die unmöglichsten Bergrouten manövrierte. Und das zu einer Zeit, als noch wenige diesen Sport überhaupt kannten. Erst später entwickelte ich ein Flair für die klassischen englischen Motorräder. Aber diese Phase ist mittlerweile Geschichte.

Was ist Ihre hauptsächliche Tätigkeit bei ­Twinner?
Bei Twinner integrieren wir die ganze Wertschöpfungskette von der Produktentwicklung über die Her­stellung bis zum After Sales und zum Community Management. Das Aufgabenspektrum als CEO ist ­deswegen demjenigen in der Hotellerie recht ähnlich. Es geht in der aktuellen Phase des Start-ups vor allem um den Aufbau eines starken Teams, die Verankerung des Qualitätsgedankens sowie die erfolgreiche Po­­sitionierung und Vermarktung im Premiumbereich. Um das zu erreichen, unterstütze und führe ich vielfältige Bereiche.

Haben Sie die Hotellerie schon einmal vermisst?
Ich finde glücklicherweise nach wie vor die Gelegenheit, meiner Leidenschaft als Hotelier und Gastgeber nachzugehen. Auf meine Zeit in der internationalen Luxushotellerie schaue ich immer noch mit viel Nähe und auch mit grosser Dankbarkeit zurück.

Sind Sie ins Projekt The Mansard von Michel Wichman in Gstaad involviert?
Dieses Projekt lag nicht in meinem direkten Ver­antwortungsbereich. Aus Verbundenheit zu Michel Wichman und den Besitzern habe ich punktuell meine Erfahrungen eingebracht.

Könnten Sie sich eine Rückkehr in die Hotellerie vorstellen?
Die Hotellerie ist eine Herzensangelegenheit und aus meinem Leben nicht wegzudenken. Weder in der Vergangenheit noch in Zukunft.


Mark Jacob
 
Der Bündner machte das «The Dolder Grand» in Zürich ­während acht Jahren zum besten City-Hotel Europas und zählte zu den meistgefeierten Stars der Luxushotellerie. Dann reizte ihn etwas Neues. Beim indischen Konzern ­InterGlobe, einem der international angesehensten Kong­lo­merate überhaupt, übernahm er die Aufgabe, das ­operative Hotel-Know-how der Gruppe voranzubringen. Im vergangenen November sattelte er erneut um und wurde CEO der Twinner AG in Oberried. Das Start-up-Unternehmen stellt mit riesigem Erfolg Carbon-Speed-Velos her. Die Velos gelten als kleine Hightech-Wunder, der Firma wird eine grosse Zukunft vorausgesagt.

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