Am Anfang des Hilfswerks «Smiling Gecko» stand das verbrannte Gesicht eines Mädchens. Es motivierte den Schweizer Fotografen Hannes Schmid zur Gründung seines Hilfswerks.
Wer kennt ihn nicht, den in die unendliche Freiheit reitenden, schönen Marlboro-Cowboy, eine Ikone der Werbefotografie und ein Meilenstein im Leben des berühmten Schweizer Fotografen Hannes Schmid. Für einen seiner Aufträge bereiste er auch Thailand und begegnete dort einem verhüllt dasitzenden, bettelnden Mädchen. Er gab ihr etwas Geld. Sie griff danach und in diesem Moment löste sich ihre Verhüllung. Was er sah, schockierte ihn zutiefst: ihr wahrscheinlich von ihren Angehörigen mit Brandwunden versehenes Gesicht, das beim Betteln Mitleid erwecken soll. Sie sei aus Kambodscha, dort sei das üblich, sagte das Mädchen, und Hannes Schmid wusste: Da wird sein Leben eine andere Wendung nehmen, da muss er etwas tun.

«Smiling Gecko», ein Campus entsteht
Und er tut bis heute, was sein muss. Er gründete das Hilfswerk «Smiling Gecko», sammelte Spenden, kaufte ein Gelände auf dem Land, später ein noch grösseres, 150 Hektar, 60 Kilometer nördlich von Phnom Penh. Er fand Mitstreiter, baute Schulen und Dörfer, begann mit Ackerbau, Viehwirtschaft und Viehzucht und erstellte einen Hotel-Restaurantkomplex, der heute als bestes Resort Kambodschas gilt. Und er wusste, er muss die Leute aus den Slums holen, den Kindern Bildung für eine eigene würdige Zukunft ermöglichen, der ländlichen Bevölkerung in Kambodscha ein selbstbestimmtes Leben. Der ganzheitliche Ansatz der seither florierenden NGO basiert auf den miteinander verflochtenen Säulen: Landwirtschaft und Viehzucht, Produktion und Handel. Mittlerweile wurden Hunderte Kinder ausgebildet, leben Familien vom Anbau für den Campus und werden – nach dem Vorbild der Schweizer Berufsausbildung – junge Menschen zu begehrten Fachpersonen ausgebildet. Das Restaurant gehört zu den besten Restaurants Asiens, das Farmhouse Resort mit mehreren Bungalows ist die grösste Einnahmequelle. Dort überzeugen sich auch internationale Reisegruppen vom «Wunder im Dschungel», wenn die Regierung ihre Gäste einquartiert.
Das neueste Projekt ist «The Gong», die Musikschule auf dem Campus.

«The Gong», ein Kulturzentrum
Mit den Architekten und Gründungspartnern des Atelier Oï, Aurel Aebi, Armand Louis und Patrick Reymond, fand Hannes Schmid Brüder im Geiste, Menschen, die sich rasch für das Projekt begeistern liessen. Auf dem «Smiling Gecko Educational Campus» hat atelier oï seither verschiedene Gebäude mitgestaltet. Der gerade fertiggestellte Rundbau «The Gong» steht in der Entwurfstradition des Büros aus La Neuveville, zeigt aber auch eine weitere Facette: soziale Verantwortung, Storytexture und bioklimatische Architektur.
Atelier oï plante und baute einen Rundbau mit Auditorium mit 100 Sitzplätzen und Bühne, Café, Aufnahmestudio, Rezeption und Büros. Bildgebend für den Bau war der Gong – ein bei Zeremonien und Ritualen in der kambodschanischen Kultur übliches, rundes Instrument. Wie auf einer Plattform erhebt sich das Gebäude, sichtbar erhöht und dadurch gegen Überschwemmungen in der Regenzeit geschützt. Die runde Form empfängt den Wind und lässt ihn an der Fassade entlanggleiten, ohne ihn zurückzuhalten oder ihm entgegenzutreten. Sie minimiert ebenso im Osten und im Westen die der Sonneneinstrahlung ausgesetzte Fläche. Im Zentrum des Gebäudes, unter der kreisrunden Dachöffnung und vertieft platziert, liegt das 1,75 Meter tiefe Impluvium. Von dort aus wächst die kreisförmige Struktur gleich einem Amphitheater in zwei Stufen, die als Sitzbänke rund ums Impluvium genutzt werden können, auf Erdgeschossniveau. Luft – Wasser – Licht: Die Öffnungen zwischen Dach und Aussenhülle führen zu Venturi-Effekten. Wassermanagement im Gebäude ist über das Impluvium organisiert. Das dort aufgefangene Regenwasser wird in den nahen Speichersee abgeführt. Sonnenlicht scheint über die Öffnung im Dach sowie durch die Aussenhülle ins Innere. Die Architektur spielt damit, die Natur zu formen und zum sinnlichen Element des Gebäudes zu machen. Aus der Vogelperspektive zeigt sich das namensgebende und bauinspirierende Bild des Musikinstruments Gong am deutlichsten in Form und Gestaltung. Das Gebäude ehrt Baukunst, Bildung, Kultur. Aber auch das Prinzip Hoffnung – dass dieser neue Ort ein Treffpunkt für die moderne Kultur in Kambodscha werden kann.
Woher kamen die benötigten Instrumente für die Ausbildung und die Konzerte? Noch bevor das Gebäude vor einem Jahr entstand, gelang es, den bekannten Schweizer Musiker/Sänger Seven ins Projekt zu holen. Er sammelte, bettelte und organisierte eine wunderbare Kollektion unterschiedlicher Instrumente, die dann auch rechtzeitig zur Eröffnung im Campus eintrafen.
Und nun? Ohne Corona und den dadurch bedingten dreijährigen Unterbruch wäre der «Smiling Gecko» selbsttragend, so aber benötigen auch «Weihnachtsengel» halt manchmal menschliche Unterstützung.

Verein Smiling Gecko
IBAN: CH48 0900 0000 6132 5384 6
