Benjamin Eulau, Exhibition Director der Igeho 2025, zieht mehr als nur eine Messe-Bilanz. Für die Igeho 2027 skizziert er bereits erste Ideen. Er möchte in Basel den Leuchtturm für die Hospitality-Branche und alle vorgelagerten Industrien schaffen.
Etwas ausserhalb des lebhaften Igeho-Trubels sitzen Benjamin Eulau, Exhibition Director, und ich in einem ruhigen Raum zusammen, um am letzten Messetag auf die Igeho 2025 zurückzublicken und um Ausschau zu halten. Die Igeho feierte dieses Jahr ihren 60. Geburtstag und die 30. Messe. Zu Geburtstagen gehört, neben der Torte mit der richtigen Anzahl Kerzen, ein Fünfklang: die Rückschau, die Ausschau, die Nachdenklichkeit, die Euphorie und ein Geschenk.

Noch bevor ich erste Fragen zu diesem Fünfklang stellen konnte, sprudelt es aus dem Messe-Chef heraus. Er ist noch voll Adrenalin, voll zufriedener Spannung, beides muss raus. Und klar, es ist der letzte Tag und noch drängen Termine. Die Erlebnisse der letzten Tage waren das Ergebnis anstrengender Arbeit der letzten Monate. Bis zur letzten Minute.
Normalerweise gehe er pro Tag etwa 11 000 Schritte. An den beiden Tagen vor der Eröffnung waren es 29 000 und 33 000 Schritte. Benjamin Eulau ist begeistert von dem, was die Aussteller für die Igeho realisiert haben. «Es ist eine emotionale Messe geworden. Die 400 Aussteller und Partner haben weit über 500 Erlebnisse geschaffen. Auch auf einer Fachmesse darf es Halligalli geben. Das gehört in der emotionalen Gastro- und Hotelbranche einfach dazu. Es waren fünf Tage, die mich wirklich mitgenommen haben.» Mitgenommen – nicht nur im Sinne, dass er am fünften Messetag müde und zufrieden ist –, sondern mitgenommen und inspiriert von den ungezählten Begegnungen mit Ausstellern und Gästen.
Besonders freute den Ausstellungsdirektor, dass es gelungen sei, die Igeho 2025 – im Gegensatz zu früheren Ausgaben – «aufzubrechen». Besonderen Wert hat er auf das Food- und Beverage-Angebot gelegt und sie in der ganzen Messe verteilt. So war F&B überall präsent. Dass die Leute zum Essen und Trinken nicht von den Ständen «abgezogen» worden sind, war ihm wichtig. «Zirkulation» war ihm dafür das Zauberwort, denn durch die Verteilung und Durchmischung war die Igeho jederzeit und überall eine «Messe für alle».
Eulau sprudelt lebendig weiter. «Die Igeho ist zwar um eine Halle reduziert worden, dafür ist sie kompakter, konzentrierter und nachhaltiger geworden. Als Veranstalter wollen und müssen wir auch nachhaltig sein, so wie unsere Aussteller.» Dass die Messe-Ausgabe 2025 nachhaltiger geworden sei, illustrierte Benjamin Eulau nicht nur mit dem geringeren Energieverbrauch, sondern auch mit dem vielfältigen «Bühnenprogramm». Wir haben bewusst darauf geachtet, dass Themen rund um die Nachhaltigkeit tagtäglich auf unseren Bühnen diskutiert wurden. Zudem haben wir unser Bestes gegeben, Frauen und Männer – wenn immer möglich – gleichermassen auf den Podien zu berücksichtigen.» Als Messe-Business-Mann bringt er ein erstes Fazit zum Messekonzept 2025 auf den Punkt: «Wir bilden den Markt ab, der kompakter geworden ist.» Damit ist nun der Zeitpunkt gekommen, um die vorbereiteten Fragen zum 60. Igeho-Geburtstag zu stellen ...
Mit einem Blick zurück auf die Ausstellung 2025: Was soll bleiben?
Benjamin Eulau: Die gezeigte Zusammengehörigkeit der Branche. Die grossen Branchenverbände waren hier. Hotel Gastro Union, GastroSuisse und HotellerieSuisse haben gemeinsam mit Schweizer Fleisch und der Igeho einen Jubiläumsapéro durchgeführt. Das war für mich ein persönlicher Leuchtturm unserer Messe. Im Podiumsgespräch haben die Präsidentin und die beiden Präsidenten für einmal nicht in erster Linie politische Themen diskutiert, sondern «Gastfreundschaft 2.0». Mit diesem zentralen Thema stellten sie gemeinsam Überlegungen zum Image der Branche an. Mit einem solch kooperativen Setting von Industrie, Verbänden und uns als Veranstalter, so bin ich überzeugt, kann die Messe in Zukunft funktionieren. Auch der Schweizer Verband für Spital-, Heim- und Gemeinschaftsgastronomie – Gründungsmitglied der Igeho im Jahr 1965 – führte bei uns sein Symposium durch und war mit einem Stand präsent.
Die Sonderschauen. Wir haben beispielsweise die Spirituosen und die Bars abgeholt und in die Messe gebracht. Es gelang, viele neue Erlebnisse zu schaffen, vor allem dank vieler Bars und Destillerien. Sie haben mit Herzblut für ihre Produkte viele Besucher begeistert und aktuelle Themen auf den Bühnen diskutiert. Ausgeschöpft ist das Potenzial der rund 2500 Bars in der Schweiz für die Messe allerdings noch nicht. Das erste Herantasten war ein Erfolg und motiviert für 2027. Generell sind Sonderschauen ein wesentliches Element der Messe-Zukunft mit neuen Beteiligungsformen, neuen Ausstellern und vor allem neuen Besuchern.

Gibt es etwas, das speziell für die Hotellerie bleiben soll?
Hotel Utopia war ein Projekt, das mich beeindruckte und das wir in verschiedenen Formaten speziell bespielt haben. Generell möchten wir die Hotellerie in der Igeho wieder stärker machen. Inspiriert durch eine wissenschaftliche Studie zur KI-Nutzung in der Hotellerie und Gastronomie des deutschen Fraunhofer-Instituts haben wir einen KI-Kurzfilm machen lassen. Er zeigt, wie die Hotellerie – in Anlehnung an unsere 60-jährige Geschichte – in 60 Jahren aussehen könnte. Spannend zu sehen ist, wie viel KI bei den Themen Schlaf, Erholung, Ernährung oder Technik in der Branche bereits eingesetzt wird. Der Film-Blick in die KI-Zukunft passt zu unserer Messe auch deshalb, weil es gelang, akademische Studienergebnisse zu KI praxisnah herunterzubrechen.
Damit schlagen Sie eine Brücke in die Zukunft. Haben Sie dazu schon Vorstellungen, was Sie 2027 realisieren möchten?
Das neue Konzept für 2025 hat sich bewährt und soll grundsätzlich beibehalten werden. Unbedingt einbeziehen möchte ich 2027 die vorgelagerte Industrie – das Handwerk, die Bäcker, die Metzger, die Käser. Dann wären die gesamte Industrie und die gesamte Wertschöpfungskette abgedeckt. Das gäbe uns noch mehr Relevanz. Toll wäre, wenn beispielsweise gut positionierte oder auch neue Events und Wettbewerbe ihre Finals während der Igeho in Basel durchführen würden. Die Igeho als Hospitality Week, das wäre grossartig. Das würde den Besuch an der Igeho unumgänglich machen. Erste Schritte in diese Richtung konnten wir mit zahlreichen Gastveranstaltungen wie dem Food Impact Forum, der Cocktail Competition der Basel BarTender und verschiedenen Preisverleihungen bereits umsetzen.
Zu einer Geburtstagsfeier gehören auch ein paar nachdenkliche, besinnliche, ruhige Momente. Gab es solche für Sie als Messe-Chef?
Ja. Durch meine Veranstalter-Optik habe ich erfahren, wie wichtig es ist, auf Feedbacks von Ausstellern – auch auf die kritischen oder negativen – einzugehen. Einen Schritt zurück machen und zuhören. Die Aussteller immer wieder zu fragen: «Was braucht ihr?», ist sehr wichtig. Die Wichtigkeit des Zuhörens, sich dafür jederzeit Zeit zu nehmen, das war mir bereits bei meiner ersten Igeho 2023 sehr klar geworden. So können wir weiter auf den 60 Jahren Messe-Erfahrung und den Erfahrungen der Aussteller aufbauen und in der Zukunft die Relevanz unserer Messe ausbauen.
Und euphorische Erlebnisse, gab es die auch?
Für mich war es absolut ein tolles Erlebnis, verfolgen zu können, wie die Messe Schritt für Schritt entstand: von den ersten Akquise-Plänen für mögliche Aussteller über den 2D-Plan unserer Halle mit den Standeinteilungen, die Signaletik, hin zur realen 3D-Messe in den letzten vierzehn Tagen bis tief in die Freitagnacht. Überwältigend war der Eröffnungssamstagmorgen: Die Messe geht auf. Es war die Bestätigung für uns als Team, das seine zweite Igeho auf die Beine gestellt hatte, unterstützt durch Kolleginnen und Kollegen mit sehr viel Erfahrung im Messemachen. Eine tolle Sache war die Anerkennung der zwei absoluten Profi-Messemacher in Stuttgart, der Süffa (Fachmesse für die Fleischbranche) und der Intergastra – Hospitality. Beide sagten mir bei einem gemeinsamen Mittagessen, dass die Igeho eine wunderschöne Messe sei und der Schritt von drei auf zwei Hallen sowie die Aufplanung mit durchmischten Sektoren der richtige Entscheid gewesen sei. Das ist ein herrliches Kompliment für uns.
Messe-Direktoren sehen ihre Messe immer als Erfolg. Woran messen Sie den Erfolg für sich und die Igeho?
Am Fortbestand der Igeho. Wenn wir nach der Abrechnung und den Debriefings eine Wiederteilnahme-Absicht von 70 Prozent für 2027 haben, dann ist das für mich die Erfolgsbestätigung für die hinter uns liegende Igeho 2025. Diese Absicht – oder ein entsprechender Handshake – ist für mich das A und O. Das ist eine nüchterne Betrachtung, ich weiss, aber genau sie freut mich am meisten.
Gibt es Grenzen für die Igeho?
Es gibt keine Grenzen, wenn die Industrie und die Branche mitmachen. So schaffen wir die Zukunft. Ich sage bewusst die Industrie: die Hersteller, die Produzenten, die vorgelagerte Industrie – alle. Und wir haben hier ein einmaliges Messegelände mitten in der Stadt für viele und vieles, auch für die, die noch nicht da sind.
Bald ist Weihnachten. Welchen Geschenkwunsch haben Sie für die Igeho?
Sie soll zum Leuchtturm und Kompetenzzentrum der Hospitality-Branche und zur unverzichtbaren Drehscheibe der Branche werden. Alle in der Branche müssen wissen, dass Mitte November die Igeho-Woche ist. Da muss man dabei sein. Da, wo alle bei und mit uns mitmischen.
Nächste Igeho im November 2027
Die über 400 Aussteller und Partner konnten bei der Jubiläumsausgabe der Igeho 42 500 Besuchende aus der Schweiz und aus dem Ausland begrüssen. Als Begleitung zur Fachmesse wurde ein mit 100 Programmpunkten umfassendes Rahmenprogramm geboten. Die Organisatoren werten die starke Präsenz der Verbände, von führenden Unternehmen und der Start-up-Branche als Beweis dafür, dass die Igeho für die Branche ein unverzichtbarer Orientierungs- und Treffpunkt ist.
Die nächste Igeho findet im November 2027 in der Messe Basel statt. Mit der Rückkehr der Lefa als Branchentreffpunkt für das lebensmittelverarbeitende Gewerbe wird die Messe inhaltlich weiter gestärkt.
