«Die Mischung Business und Leisure wird immer wichtiger»

Anthony «Tony» Capuano ist seit Februar dieses Jahres CEO von Marriott International, der weltweit grössten Hotel­gesellschaft. Beim Internationalen Hotel-Investment-Forum in Berlin stellte er sich den Fragen von AHGZ-Chefredaktor Rolf Westermann. «Hotelier» publiziert Auszüge aus dem Gespräch.




Marriott-CEO Anthony Capuano über den

Kampf um Talente


Der Kampf um die besten Talente gehört nach Einschätzung des neuen CEO von ­Marriott International, Tony Capuano, zu den wichtigsten Aufgaben der Zukunft. In der Covid-Krise hätten 20 Prozent der Mitarbeitenden die Branche verlassen, sagte der Marriott-Chef beim International Hotel Investment Forum (IHIF) in Berlin. Das sei eine der wichtigsten Veränderungen durch die Krise und gleichzeitig eine der grössten Herausforderungen für die Zukunft.





Bei der Gewinnung von Talenten spiele auch das Thema Diversität eine wichtige Rolle. Für viele Mitarbeiterinnen sei es eine grosse Inspiration, dass bei Marriott viele hochrangige Positionen mit Frauen besetzt sind. «Aber unsere Arbeit ist noch lange nicht getan.» Insgesamt zeigte sich Capuano optimistisch, dass Marriott gut durch die Krise kommt. Das Unternehmen habe schon verschiedene Zyklen überstanden, wie die Anschläge in New York oder die Finanzkrise. Und die resiliente Haltung der Mitarbeiter ermutige ihn für die Zukunft.

Quelle & Copyright: AHGZ, Deutschland, September 2021



Tony, herzlichen Glückwunsch zum neuen Amt. Sie haben Marriott in einer besonderen Zeit übernommen. Wie ist es im Fahrersitz des grössten Hotelunternehmens der Welt?


Ich bin nun 26 Jahre im Unternehmen und erst der vierte CEO in der Firmengeschich­te. Es ist ein Privileg, das mit grossen He­rausforderungen verbunden ist. Absolut interessant finde ich die Leidenschaft und Resilienz unserer Mitarbeitenden. Als ich kürzlich in Frankfurt war, habe ich einen Mitarbeiter getroffen, der sich freiwillig bei der Feuerwehr engagiert. Das hat mich nachdenklich gemacht – diese Person läuft auf die «Flammen» zu, und das gilt auch für unsere Mitarbeitenden. Wenn sie eine Krise angehen, denken sie darüber nach, wie wir unsere Situation verbessern und Probleme lösen können. Das ist für mich sehr inspirierend.

Wie viele Ihrer früheren persönlichen Begegnungen haben sich auf -Videokonferenzen verlagert und was bedeutet Ihre Erfahrung für das Tagungsgeschäft der Hotels?

Heute Morgen hatten wir ein Video-Meeting und die Verbindung war schlecht. Es wurde immer wieder unterbrochen. Ich wurde daran erinnert, wie wichtig persönliche Kontakte sind, als ich in Washington ein persönliches Führungstreffen hatte. Da sieht man die Körpersprache, den Gesichtsausdruck. Selbst in den Kaffeepausen wur­de viel gearbeitet. Unser Geschäft ruht auf tiefen Beziehungen. Technologien werden den persönlichen Austausch ergänzen, aber niemals ersetzen.


Mit welchem Rückgang von Businessreisenden rechnen Sie auf Dauer und wie füllen Sie die Lücke?

Das Geschäft wird zurückkommen, auch wenn die Erholung im Detail schwer vorherzusagen ist. Aber das Reisen bleibt ein Grundbedürfnis. Wenn etwa Griechenland öffnet, dann gehen die Buchungszahlen für unsere Hotels innerhalb kürzester Zeit nach oben. Das ist faszinierend zu sehen. Auch wenn Geschäftsreisen um zehn Prozent zurückgehen sollten, wird die Mi­­schung von Business- und Leisure-Reisen diesen Rückgang ausgleichen.


Ein stark wachsender Bereich ist die Vermietung von Privatunterkünften. Wie sieht die Entwicklung von Homes & Villas by Marriott Inter-national aus?

Auch hier sind wir schon früh gestartet, während der Pandemie ist die Nachfrage al­­lerdings explodiert. Wir sind im April 2019 mit nur 2000 Einheiten gestartet, jetzt sind es über 30 000 in mehr als 250 Desti­nationen. Bei Marriott gehört ein Top-Service dazu. Es gibt immer einen Ansprechpartner, bei dem man auch noch um Mitternacht den Schlüssel abholen und der sich etwa um eine kaputte Spülmaschine kümmern kann.



Der Börsenkurs hat sich seit dem Tiefpunkt im April 2020 wieder mehr als verdoppelt, ist aber nach der Ergebnisveröffentlichung des ersten Halbjahres Anfang August gesunken. Sind die Erwartungen der Märkte zu hoch?

Wir hatten ein atemberaubendes zweites Quartal. Ich bin sehr zufrieden mit unseren Ergebnissen und der Beschleunigung der globalen Erholung. Die enorme Ge­­samt­­verbesserung, die wir im zweiten Quar­tal sowohl bei der Auslastung als auch bei der Rate gesehen haben, zeigt, dass die Menschen es lieben, zu reisen und in unseren Hotels zu übernachten. Die Nachfrage wuchs im zweiten Quartal stetig. Die weltweite Auslastung stieg im Monat Juni ge­­genüber Mai um sechs Prozentpunkte auf über 55 Prozent. Die durchschnittliche Ta­gesrate war im Juni nur um 13 Prozent niedriger als im Juni vor zwei Jahren. Der Markt fokussiert sich aber weniger auf das zweite Quartal, er will Klarheit, wann die Pandemie vorüber ist. Das sind Fragen, die wir nicht beantworten können. 


Quelle & Copyright: AHGZ, Deutschland, September 2021. Autor: Rolf Westermann, Chefredaktor

















Mariott ­International


Gründung

1927 in Washington D.C. durch J. Willard und Alice Marriott.


Fakten

Marriott mit Hauptsitz in Bethesda/Maryland, USA, verfügt über ein ­Portfolio von mehr als 7800 Hotels in 138 Ländern und umfasst direkt und als Franchise betriebene Häuser sowie lizensierte Vacation Owner-ship Resorts unter dem Dach 30 führender Marken.


Mitarbeiter

121 000 (Stand: Ende 2020).


Umsatz 2020

10,5 Mrd. US-Dollar (2019: 21 Mrd. US-Dollar).


Vorsteuergewinn 2020

minus 466 Mio. US-Dollar (2019: 1,6 Mrd. US-Dollar).


Prognosen 2021

13 Mrd. US-Dollar Umsatz, 1,16 Mrd. US-Dollar Vorsteuergewinn.


Marken

30 Marken (u. a. Moxy, Marriott, St.  Regis, Ritz Carlton, Sheraton, Westin).


Grösste Marke

Courtyard by Marriott (1234 Hotels).


Treueprogramm

Marriott Bonvoy mit mehr als 153 Mio. Mitgliedern.

Zurück zu den Artikeln