Was sollte bei der Gestaltung eines Fitnessraums im Hotel im Fokus stehen?
Das Entscheidende ist die Atmosphäre. Viele Hotel-Fitnessräume, die ich bisher gesehen habe, sind rein funktional, aber ohne Seele. Dabei sollte es doch ein Ort sein, an dem man sich gerne aufhält. Ein gutes Beispiel ist die Entwicklung von Badezimmern. Ursprünglich haben sich diese von rein funktionalen Nasszellen zu halben Wellnessoasen entwickelt. Und ähnlich sehe ich das bei Fitnessräumen. Wenn diese karg, grell beleuchtet, steril und nur mit Geräten vollgestellt sind, wirken sie eher wie Operationssäle und nicht gerade einladend. Wichtig sind angenehmes Licht, natürliche Materialien, wenn möglich Pflanzen und idealerweise der Zugang zu Frischluft und eine schöne Aussicht. Ebenso zentral finde ich, ist die Zonierung. Bereiche zu schaffen, in denen man ungestört trainieren kann, und andere, in denen man sich kurz ausruhen oder austauschen darf. Ein Fitnessraum im Hotel braucht nicht nur Geräte, sondern auch Stimmung und Identität, die zum Haus passen.
Gibt es No-Gos bei der Gestaltung?
Mit Sicherheit. Ich habe Fitnessräume schon an den skurrilsten Orten angetroffen. In ausrangierten Büros, zwischen Aktenschränken und Schreibtischen oder in dunklen, modrigen Kellerräumen etc. Ich finde, Fitnessräume brauchen einen eigenen Bereich und müssen in die Dramaturgie des Hauses passen. Die Kombination mit einem Wellnessbereich ist ideal, und Standorte wie eine Dachterrasse mit Ausblick funktionieren hervorragend. Der Raum darf nicht zu ausgestellt wirken. Die Gäste sollen sich nicht beobachtet fühlen. Ein Fitnessbereich braucht seine eigene Atmosphäre, sonst bleibt er nur ein Zweckraum.
Braucht es überhaupt zwingend einen Fitnessraum?
Wenn die Möglichkeit besteht, unbedingt! Laut Global Wellness Institut steigt der Trend für Wellness- und Fitnessreisen schneller als der Gesamttourismus. Der sogenannte «Wellbeing»-Trend verbindet Fitness, Spa und Ernährung für ein gesundes, ganzheitliches Wohlbefinden. Falls keine Möglichkeit für einen eigenen Fitnessraum besteht, sind Outdoorangebote auf der Dachterrasse, im Garten oder an nahegelegenen Spots in der Natur, gerade im DACH-Raum, ein sehr beliebter Trend. Ob nun Yoga, Pilates oder Tai-Chi etc. alles kann man wunderbar an externen Orten anbieten. Auch so genannte In-Room-Fitness- und Low-Barrier-Angebote funktionieren. Und damit meine ich nicht nur eine Yogamatte im Zimmer, sondern auch digitale Lösungen, wie On-Demand-Workouts über TV oder App. Ausserdem besteht die Möglichkeit, mit lokalen Fitnessstudios und Personal Trainern Kooperationen einzugehen.
Ivo Christow
Head of Design
krucker.swiss
