Ob das Gebäude neu oder alt ist, spielt für den Betreiber eine zentrale Rolle, die oft zu wenig beachtet wird. Denn die Anforderungen an die Gebäudeautomation sind enorm. Der Gesetzgeber gibt Normen für Sicherheit, Umweltbelastung, Energieeffizienz usw. vor. Diese einzuhalten, ist je nach Situation und Alter der Liegenschaft eine komplexe Herausforderung. Dazu kommen die Ansprüche der Gäste, die mit einer top Infrastruktur ganz selbstverständlich rechnen.
Seit über 10 Jahren betreibt Nicoletta Müller mit dem eigenen Unternehmen Hotelmarketing, Hotel Sales, PR, Story Telling für digitale und analoge Medien. Ihre Leidenschaft für Innovation und Strategieentwicklung sowie ihr Flair im Umgang mit Menschen machen neben profundem Wissen ihren Erfolg aus.
Nicoletta Müller, VDH-Vorstandsmitglied, NDS-Lehrgang 30
Automatische Eingangstüre, Licht, WLAN, Strom, Heizung und Klimaanlage, Liftanlage, Lüftungsanlagen, Fettabscheider, Kühlungsaggregate usw. Dazu kommen Reinigung, Unterhalt, Service und allenfalls Wiederbeschaffung all dieser Anlagen. Ohne die Fachkräfte zu vergessen, die alles instand halten müssen. VDH-Mitglieder und Partner äussern sich zu diesem Thema.
Sie antworten zu Fragestellungen wie Organisation und Beurteilung der Gebäudeautomation im eigenen Betrieb und der Hotellerie generell. Wo sehen die Befragten Herausforderungen in diesem Bereich? Gibt es Möglichkeiten für Synergien und Kooperationen mit anderen Hotels? Wie sind Überwachung und Unterhalt geregelt? Welche Optimierungen und Vereinfachungen im Bereich Gebäudeautomation brennen unter den Nägeln?
Andreas Zolliker, Kältering AG, Geschäftsleiter, VDH-Partner
Erfahrungsgruppen helfen bei der Wissensvermittlung und Entscheidungsfindung.
Die Herausforderungen in diesem Bereich sind vielfältig. Der Gast soll Bedienelemente im Zimmer vorfinden, die er sich von zu Hause gewohnt ist: Lichtschalter für die Beleuchtung, ein Thermostat mit definiertem Einstellbereich, Ein-/Aus-Schalter für Heizung und Klima, Taster für die Rollos. Grosse Displays zeigen häufig zu viele oder falsche Informationen an, müssen über Menus bedient werden und irritieren so den Gast.
Der Haustechniker soll über seine Zentrale eine Übersicht über alle Einstellungen und Schaltzustände haben und aus der Ferne Funktionen und Einstellungen verändern können. Nur ein vernetztes System lässt Analysen zur Energieoptimierung zu. Kritische Systeme z. B. Heizung, gewerbliche Kälte, automatische Türen, Lifte etc. sollen immer ihre eigenen autonomen Steuerungen und Regulierungen behalten, damit bei Störungen im Gebäudeleitsystem der Betrieb sichergestellt ist. Ein Leitsystem soll zwar übergeordnet sein, aber nicht in den sicheren Betrieb eingreifen.
Zum Investitionsschutz empfehlen wir Systeme von renommierten Herstellern. Dadurch ist gewährleistet, dass das System noch lange Support bekommt.
Miriam Malzkeit, Kohl & Partner AG, Senior Beraterin Schweiz, VDH-Partnerin
Ich empfehle einen hybriden Ansatz, also interne Kompetenz und externe Spezialisierung.
Eine der zentralen Herausforderungen liegt in der sinnvollen Systemintegration, insbesondere in Bestandsimmobilien mit gewachsener, oft heterogener Techniklandschaft. Hier stossen moderne Automationslösungen schnell an Grenzen, etwa wenn veraltete Steuerungen, fehlende Schnittstellen oder unzureichende Dokumentationen die Einbindung erschweren. Wir merken dies in unseren Beratungen und Begleitungen in Projekten, ob Umstrukturierung oder auch Neubauten, dass statt Plug-and-Play oft Individualarbeit gefragt ist.
Hinzu kommt: Viele Produkte am Markt versprechen smarte Lösungen, sind aber in der Praxis entweder zu komplex in der Bedienung oder zu starr in ihrer Logik. Für den Hotelbetrieb bedeutet das: hoher Schulungsaufwand für das Team, fehleranfällige Bedienung und im Worst Case ein System, das mehr Aufwand verursacht als Nutzen stiftet.
Es braucht ein tiefes Verständnis dafür, was automatisiert werden «soll». Nicht nur, was technisch möglich ist. Gebäudeautomation ergibt nur dann Sinn, wenn sie betrieblich mitgedacht wird: aus Sicht des Gastes, des Teams und des Eigentümers. Alles andere ist gut gemeinte Technik, die oft an der Realität vorbeigeht.
Janine Rüfenacht, Quant AG, Projektmanager, Clerezza AG, Co-Geschäftsführung und Partnerin, NDS-Lehrgang 38
Es fehlen modulare, flexiblere Systeme, die für Betreiber- und Gäste-Nutzen skalierbar sind.
Gebäudeautomation ist zentral für einen energieeffizienten Hotelbetrieb. Sie ermöglicht eine zentralisierte Steuerung von Heizung, Kühlung, Lüftung und Beleuchtung und auch eine konstante Qualität in den öffentlichen und privaten Bereichen des Hotels. Gerade bei grösseren Betrieben mit vielen Wohneinheiten, wie bei uns mit 74 Apartments und zusätzlichen Ferienwohnungen, ist ein cleveres Automationssystem wie KNX unverzichtbar.
Die grösste Herausforderung ist der Spagat zwischen individueller Gästeerwartung und nachhaltigem, zentral gesteuertem Betrieb. Während langfristig verweilende Gäste eine individuellere Steuerung wünschen, ist es für uns als Betreiber wichtig, die Energieflüsse gesamthaft im Blick zu behalten. Technisch stossen wir nach über zehn Jahren Betrieb nun an gewisse Grenzen des bestehenden Systems. Im Bereich Know-how-Transfer und beim gemeinsamen Einkauf von Wartungsleistungen oder Komponenten ist der Austausch zu Best Practices im Umgang mit Steuerungssystemen hilfreich. Viele Herausforderungen sind systemunabhängig und betreffen Nutzerführung, Integration in Betriebskonzepte oder auch Schulung der Mitarbeitenden.
Marco Bücken, Sportzentrum Kerenzerberg, Stv. Betriebsleiter, NDS-Lehrgang 49
Man kann sich auch entschliessen, alles zu outsourcen. Das hat jedoch ein Preisschild.
Es stellt sich die Frage, was will ich mit der Automation erreichen? Wo finde ich die richtigen Partner? Wir haben 2018 ein umfangreiches Projekt umgesetzt. Dabei hatten wir teilweise Schwierigkeiten, weil eine grosse Anzahl Lieferanten das entsprechende Know-how noch nicht hatte. Eine enge Begleitung war notwendig, um das gewünschte Resultat zu erzielen. Das Know-how war bei vielen Planern noch nicht so präsent wie heute. Unterdessen gibt es eine eigene Lehre als Gebäudeinformatiker. Zudem wurde der Planer bei manchen Schritten der Gebäudeautomation viel zu spät hinzugezogen.
Je nach System und Grösse der Anlagen und natürlich dem Fachwissen der Mitarbeitenden sind Unterhalt und Wartung intern möglich. Wenn die Software einfach aufgebaut ist, kann die Überwachung intern durchgeführt werden. Updates und spezielle Wartungen müssen durch ein spezialisiertes Unternehmen erledigt werden. Man darf gespannt sein, wie stark KI in Zukunft in diesem Bereich Einfluss nehmen wird. Man kann sich aber auch entschliessen, alles zu outsourcen, das hat dann jedoch ein Preisschild. Dies ist wohl auch nicht in allen Regionen möglich.
Christian Burkhard, Hotel Lenkerhof, Direktor & Geschäftsleitungsmitglied, NDS-Lehrgang 47
Ideal wären cloudbasierte Plattformen, die sich über alle Systeme zentral und intuitiv bedienen lassen.
Teile des Gebäudes sind von 1689, andere wurden modernisiert oder neu gebaut.
Die Integration alter und neuer Technologien, die Sicherstellung der Kompatibilität und die durchgängige Kommunikation zwischen den Systemen sind technisch und organisatorisch anspruchsvoll. Beim Unterhalt setzen wir auf ein hybrides Modell. Die tägliche Überwachung und erste Eingriffe erfolgen durch eigene Haustechniker. Für Systemupdates oder Störungsbehebungen greifen wir auf langjährige Partner zurück. Bei Einkauf, Wartung oder Schulung wären Synergien möglich. Z. B. könnten benachbarte Hotels gemeinsam Wartungsverträge abschliessen, um bessere Konditionen zu erzielen. Der Austausch von Erfahrungswerten oder der Aufbau gemeinsamer Notfall- und Pikett-Dienste ist denkbar. Ich wünsche mir mehr standardisierte Schnittstellen und Systeme,
die sich besser vernetzen lassen, besonders bei der Kombination neuer Technologien mit älteren Anlagen. Cloudbasierte Plattformen wären nützlich, über die sich alle Systeme zentral und intuitiv bedienen lassen. Bei Schulung und Support erhoffe ich mir digitale Lernplattformen für unsere Mitarbeitenden, kombiniert mit KI-gestützter Fehlerdiagnose.
Sandra Wehren, Hotelfachschule Thun, Leiterin Hospitality & Services und Mitglied der Geschäftsleitung, NDS-Lehrgang 45
Ich wünsche mir eine Gebäudeautomation, die technisch leistungsfähig, einfach bedienbar, zuverlässig und wirtschaftlich ist.
Ausser bei Stör- resp. Alarmmeldungen haben wir in Bezug auf Gebäudeautomation noch viel Potenzial. Dort, wo es technisch sinnvoll und wirtschaftlich umsetzbar ist, setzen wir auf eine schrittweise praxisnahe Nachrüstung, um trotz älterer Infrastruktur den Gästekomfort zu erhöhen, Energie zu sparen und den Betrieb zuverlässig aufrechtzuerhalten. Herausfordernd sind dabei Kosten und Investitionen, Komplexität und Wartung sowie die Akzeptanz durch Mitarbeitende und Gäste. Synergien und Kooperationen mit anderen Hotels sind auch in der Gebäudeautomation durchaus möglich und sinnvoll, vor allem im Hinblick auf Kostenoptimierung, Erfahrungsaustausch, allenfalls gemeinsame Infrastruktur und Nachhaltigkeit.
Wir haben einen internen Haustechniker, der für die Überwachung und den Unterhalt unserer technischen Systeme zuständig ist. Bei Bedarf zieht er externe Spezialisten hinzu. Als Hotelière wünsche ich mir eine Gebäudeautomation, die technisch leistungsfähig, aber einfach bedienbar, zuverlässig und wirtschaftlich ist und die im guten Gleichgewicht zwischen Automatisierung und menschlicher Kontrolle steht.