«Nachhaltigkeit» ist ein vielfach beanspruchter Begriff. Auch in der Hotellerie gehört Nachhaltigkeit längst zum Erfolgselixier. In Hotels gilt es, ein Konzept zu entwickeln, das nachhaltige Ansätze in allen Bereichen des Betriebs beachtet: vom Wellness bis in die Gastronomie. Hotelbetriebe haben durch ihre Angebote aber auch natürliche Voraussetzungen und Möglichkeiten, um nachhaltig zu handeln und Nachhaltigkeit auch zu leben.
Nachhaltigkeit hat verschiedene Facetten in Hotelbetrieben. Grundsätzlich geht es darum, Strukturen, Rahmenbedingungen, Projekte und Erzeugnisse so zu gestalten und zu nutzen, dass sie langfristig bestehen können, ohne dass Ressourcen und die Umwelt geschädigt werden. Dieses ökologische, soziale und ökonomische Verantwortungsbewusstsein kann sich in unterschiedlichen Bereichen von Hotelbetrieben ausdrücken. In seiner ganzen Bandbreite findet das Thema Nachhaltigkeit durch den Verein «Responsible Hotels of Switzerland» Beachtung, der 2021 gegründet wurde: Strikt regionaler Einkauf, begleitete Ausbildungs- und Arbeitsplätze, Verzicht auf Plastik und der Einsatz energiesparender Infrastrukturen gehören zu den Standards der Mitglieder-Betriebe.
Die soziale Dimension
Bei der Wahl eines Arbeitsplatzes spielen heute Anstellungsbedingungen eine wichtige Rolle, die den Mitarbeitenden Raum zur Entfaltung und die Möglichkeit geben, Arbeit und Leben im Gleichgewicht zu halten. Hotels können durch die Garantie von fairen Löhnen und eine entsprechende Arbeitszeiten-Regelung sowie durch die Förderung der Entwicklung von Mitarbeitenden, wie durch Coachings und Fachschulungen, auch den eigenen Betrieb langfristig substanziell stärken und entwickeln. Das Vier-Sterne-Superior-Hotel Eden Spiez am Thunersee zum Beispiel bietet seinen Mitarbeitenden und Lernenden seit Jahren spannende Weiterbildungsmöglichkeiten. Der Abbau von Barrieren für bewegungseingeschränkte und behinderte Menschen sowie ein Umgang mit Lieferant:innen und Dienstleister:innen auf Augenhöhe sind weitere Aspekte einer nachhaltigen sozialen Unternehmenskultur. Ebenfalls kann ein verstärktes Verständnis für die Verankerung eines Hotelbetriebes in Stadt, Dorf und Region zukunftsgestaltend sein – indem man beispielsweise bei Auftragsvergaben lokale Unternehmen im Blick behält. «Hotelleriesuisse» sieht die Aufgaben der Hotelbranche in diesem Zusammenhang auch im gesellschaftlichen Bereich – «soziale und sich wandelnde gesellschaftliche Bedürfnisse» werden berücksichtigt und «unter Rücksichtnahme auf betriebliche Verhältnisse (…) so weit wie möglich implementiert.» Hotels verstehen sich aber auch als Teil einer durch die Natur geprägten Umwelt.
Schutz der Natur
Mit steigenden Energie- und Wasserkosten wurde ein Umdenken notwendig, das allen voran der Natur zugutekommt. Ein Element davon ist etwa die Reduktion von Waschmitteln mit starken Chemikalien in Hotelwäschereien. Aber auch Gäste erkennen die Wichtigkeit, die Umwelt und natürliche Ressourcen zu schützen – die Fortschritte hinsichtlich eines erweiterten ökologischen Verständnisses werden hier besonders in der mehrmaligen Verwendung von Bett- und Frotteewäsche deutlich. Bettwäsche in Hotels wird heute durchschnittlich nur alle drei Tage oder auf Nachfrage gewechselt. In vielen Betrieben macht man sich weiter die Mühe, Gastierende auf die positiven Auswirkungen einer überlegten und reduzierten Zimmerreinigung hinzuweisen. Für das Hotel Eden in Spiez gehören nicht nur umweltschonende Reinigungsmittel zum selbstverständlichen Equipment, sondern auch das Angebot, digital über die Häufigkeit der Zimmerreinigung zu bestimmen und individuelle Reinigungswünsche zu kommunizieren. Zudem nimmt man sich im Hotel Eden Spiez durch die Aufbereitung von Wärmeenergie bewusst dem Ziel klimafreundlicher Energieeffizienz an.
Gastronomie
Effizienz in Sachen Nachhaltigkeit hat auch beim Essen eine grosse Tragweite. Abfallvermeidung ist hier ein wichtiges Schlagwort («Zero Waste»). Überproduktion oder Buffetrückgänge sind klassische Beispiele, die es zu vermeiden gilt. Eine Studie der Berner Fachhochschule aus dem Jahr 2018 konnte zeigen, dass jedes Kilogramm «Food Waste» zu einer Belastung des Betriebsbudgets von 24 Franken führt. Neben einem positiven Einfluss auf die Schonung unserer Ressourcen und des Planeten hat «Zero Waste» also sogar Vorteile für die Wirtschaftlichkeit. Durch die verstärkte Einbindung lokaler Produzent:innen verfügt die Hotelgastronomie zudem über ein einflussreiches Instrument, um die gesellschaftlich-soziale Dimension von Nachhaltigkeit zu realisieren. Die «Nordic Cuisine» hat vor mehr als zehn Jahren Pionierarbeit in Sachen Verwendung regionaler Rohstoffe geleistet. Doch auch in der Schweiz erkannten Andreas Caminada oder Sven Wassmer früh die Zeichen der Zeit und bezogen den eigenen Lebensraum und seine Erzeugnisse in ihre Küchen ein. Die Kochkunst vermag also eine Vorreiterrolle bezüglich einer die Natur in der Region wertschätzenden, innovativen und den Planeten schonenden Lebensmittelverwertung einzunehmen.
Mehrwert für alle
Nachhaltigkeit in der Hotellerie wird für Reisende immer wichtiger. Doch Betriebe haben längst die Bedeutung eines entsprechenden Handelns in verschiedenen Bereichen erkannt. Ein die Zukunft des Planeten ernst nehmendes ökologisches und soziales Wirtschaften ist dabei nicht nur ein wichtiger Schritt in eine bessere Welt, sondern erweist sich auch als ökonomisch sinnvoll und profitabel.
