Die Vermutung von Patrick Jäger, Direktor im Vier-Sterne-Superior-Hotel Eden Spiez, ist dem Hotelier ein augenzwinkernder Befehl. Die Antwort findet sich im Artikel. Ebenso seine These: Nicht das Hotel, sondern die Gäste machen den USP.
Kaum sitzen Patrick Jäger und ich in der Bibliothek des «Eden», erzählt und erzählt er. Kein Schwall, sondern ruhig, reflektiert, wohl dosiert. In die Schweiz ist er seinerzeit für eine Saison nach der Kochlehre im «Maritim Stuttgart», dem damals grössten Tagungshotel in Süddeutschland, gekommen. Motiviert hatte ihn die Chef-Patissière, die ihn im «Maritim» betreute: «Du musst in die Schweiz und etwas aus dir machen.» Das «Etwas» ist heute der erfolgreiche Direktor des Hotel Eden Spiez.
«Die Schweiz kannte ich aus Familienferien im Berner Oberland und am Vierwaldstättersee. Auf einem Job-Portal fand ich eine Stelle im ‹Lenkerhof›. Am 1. August 2009 startete ich mein vertragliches Jahr. Das hohe Qualitätsniveau im Restaurant Spettacolo gefiel mir sehr gut. Dennoch blieb ich nur drei Monate. Der Kulturwechsel von Stuttgart ins kleine Dorf machte mir zu schaffen. Ausschlaggebend für meine Kündigung war der Chef. Er war für mich kein Vorbild.» Ein Küchenkollege handelte ebenso. Ohne voneinander zu wissen, hatten sie sich im «Eden» beworben und beide erhielten einen Job. «Ein bunter Zufall.»

«Das Gesamte interessierte mich»
Bei einem Zufall sollte es nicht bleiben, wie Patrick Jäger erzählte. Direktor im Hotel Eden wurde 2011 kurze Zeit später Jürgen Kögler. «Er hatte in Stuttgart meinen Ausbildungsvertrag unterzeichnet.» Die Arbeit in der «Eden»-Küche gefiel Jäger. Aber Küchenchef war nie sein Ziel. «Mich hat das Gesamte eines Hotels interessiert. Irgendwann wollte ich ein Hotel leiten.» So kündigte er 2012 und bewarb sich auf eine Servicestelle im Congress Hotel Seepark der UBS in Thun. Er habe nicht nur einen Job gesucht, sondern wollte möglichst viel Neues kennenlernen. Die Ambition erfüllte sich. Er entdeckte und lernte viel – Kommunikation, Mitwirken beim Aufbau des Gourmet-Restaurants. Besonders Eindruck machten ihm die Menü-Briefings. «Es ging nicht nur um die Lebensmittel, sondern darum, die Menü-Idee des Küchenchefs zu erkennen.» Besonderen Spass habe er beim Verkauf der Weinbegleitung gehabt, schaut Patrick Jäger mit einem zufriedenen Lachen zurück.
Seine Neugierde führte ihn weiter an die Hotelfachschule Thun. «Da habe ich soooo viel gelernt.» Und es ereignete sich, diesmal wohl etwas gesteuert, ein dritter Zufall. Nach den Hotelfachschuljahren rief «Eden»-Direktor Kögler an. Er hatte eine Stelle als Direktionsassistent zu besetzen. Im «Eden» hatte Patrick Jäger als Hotelfachschul-Student ein Praktikum in der Meeting- und Event-Leitung gemacht. Er packte die Assistenzstelle. «Nach einem halben Jahr kündigte der Vizedirektor – und jetzt ist 2026», fasst Jäger den Gang der weiteren Geschichte zusammen.
«Es hat gepasst»
Bei der Pensionierung und dem Wechsel von Direktor Kögler in den Verwaltungsrat habe die Besitzerin des Hotel Eden, Lisbeth Mathys, das Gespräch mit ihm gesucht. Man vereinbarte, dass er für ein Jahr als Resident Manager, als Co-Geschäftsführer mit Jürgen Kögler, arbeite. 2021 übernahm Patrick Jäger den Direktor-Posten. Er war dafür bestens qualifiziert, hatte er doch jeden (!) Bereich des Hauses bereits einmal geleitet. «Es hat gepasst und in all den Jahren sind das Haus und ich miteinander gewachsen.» Neue Geschäftsfelder sind entwickelt worden. Im Fokus stand die Zeit von «O bis O, von Oktober bis Ostern», sagte Jäger. Mit Wellness, Seminaren, Hochzeiten und einem speziellen Blick auf Individualgäste wurden neue Akzente gesetzt und zugleich die Strategie von 2006 kontinuierlich weiterentwickelt. «Entscheidend war Frau Mathys», wird Patrick Jäger im Verlauf des Gesprächs noch mehrmals sagen.

Die Hotel-Vision von Lisbeth Mathys
Lisbeth Mathys, die Eigentümerin des «Eden Spiez», hatte das Hotel erworben, das viele Jahre geschlossen war, und nach einer Totalsanierung 2006 mit ihrer Vision eröffnet. Die Witwe des Medizintechnik-Pioniers und Unternehmers Robert Mathys († 2000, Mathys AG Bettlach) reiste gerne – auch allein. Sie entwickelte dabei eine Vision eines Hotels nur für Alleinreisende, erzählt Patrick Jäger. Mit diesem Konzept startete das Hotel Eden 2006. «Seither entwickeln wir das Haus mit Frau Mathys weiter, ohne die Uridee aufzugeben.»
«Frau Mathys ist für das Hotel noch immer sehr wichtig und ist regelmässig im Haus. Entscheidungen – im Sinne der Vision – werden mit ihr getroffen.» Entscheidend für sie sei die Sicht des Gastes. Patrick Jäger illustriert: «Heute Nachmittag suchen wir die neuen Kugelschreiber für das Hotel miteinander aus. Wichtig ist ihr, dass der Stift gut in der Hand liegt, gut schreibt und die Farbe hilft, ihn in der Handtasche zu finden. Lisbeth Mathys stellt immer den Nutzen für den Gast in den Mittelpunkt.»
Ihre Wünsche zum Haus bringe sie immer an, respektiere dabei die Hierarchie und wende sich nie direkt an die Mitarbeiter, auch wenn sie alle Mitarbeitenden mit Namen kenne. «Sie isst gelegentlich im Mitarbeiter-Restaurant. Sie will wissen, was die Mitarbeiter zu essen bekommen. Ausgewogenes, wertiges Essen ist ihr wichtig. Dem Küchenchef gibt sie direkt Feedback. Sie mag keine Künstlichkeit. Und sie bezahlt für das Essen, das ist für sie selbstverständlich.» Das Dabeisein gehöre zu ihrem Selbstverständnis, sei ein Ausdruck der vollen Identifikation, woraus das beiderseitige Vertrauen entstehe, erläutert Jäger die Bedeutung von Lisbeth Mathys. «Aus dieser Haltung entsteht auch die Philosophie und die besondere Atmosphäre des Hauses. Ein Ort, der für alle Gäste offen ist.» Beispielsweise Familien, kaffeetrinkende Zeitungsleserinnen, Tagungsgäste oder Nicht- und Krawattenträger.
Die «Eden»-Luxus-Formel
Für das Hotel Eden habe Lisbeth Mathys die gültige Luxus-Formel geprägt, erklärt Patrick Jäger. Das Hotel soll einen «Raum zum Sein» schaffen. Wie setzt er diese Luxus-Leitidee im «Eden» um? «Luxus ist es, jedem Gast seinen Raum für sein Sein zu geben, den er gerade in diesem Moment braucht.» Die Aufgabe des Hotelteams sieht er darin, «Raum zum Sein und die Erinnerung daran» zu kreieren. Von Erinnerungen zehrten die Gäste lange und würden dies in Rückmeldungen auch schreiben. «Wir haben kein handfestes Produkt. Unser Produkt ist die Erinnerung. Wenn wir das erreichen, dann haben wir den Job gut gemacht.» Wie produziert man im Hotel Eden Erinnerung?, so die unverzichtbare Anschlussfrage des Historikers. «Zeit ist ein wichtiger Faktor», philosophiert der Direktor. «Die Gäste benötigen Zeit, sich auf den Raum einzulassen. Sie sollen nicht gestört werden, nicht dies und das im Kopf haben und sich so lange mit ihrem Sein im Raum befassen können, wie sie wollen.» Also bildet sich die Erinnerung im Jetzt des Hotelaufenthalts.
Um seinen persönlichen Raum zu gewinnen, verzichtet Patrick Jäger auf seinen Reisen oder bei Anlässen darauf, zu fotografieren. «Ich will die Erinnerung in mir haben. Ich will da sein, den Moment, die Stimmung, die Atmosphäre spüren.» Wenn man viel fotografiere, bestehe die Gefahr, dass man das Fotosujet nicht wirklich gesehen oder erlebt habe. Bezogen auf das touristische Fotografieren seiner Gäste stellte Jäger fest, dass es Unterschiede gibt. Amerikanische Gäste fotografieren kaum, während asiatische Gäste ganz anders sind.

«Der Gast ist kein König»
Obwohl Patrick in der Familie Jäger der erste Hotelier ist, hat er Gastfreundschaft seit frühester Kindheit erlebt. «Bei meiner Grossmutter gab es häufig ein volles Haus. Die Familie versammelte sich bei ihr. Alles war entschleunigt. Dort war immer alles möglich. Jeder hatte Platz – sie praktizierte eine Rundumgastfreundschaft. Dasein
für alle, wie meine Grossmutter, das wollte ich auch – Gastgeber sein.»
Diese Art Gastgeber zu sein, könne er im Hotel Eden, sinniert Patrick Jäger. Ihm gehe es darum, alles daran zu setzen, die Vorstellung, mit der ein Gast anreise, zu ermöglichen. Wertschätzend und wohlwollend sein, sind ihm dafür zwei zentrale Begriffe. Selbstverständlich hätten die Gäste unterschiedlichste Vorstellungen. Wünsche von den Lippen lesen, bevor sie ausgesprochen würden, das könne auch er nicht. Aber eine Vorstellung zu haben, was Leute wünschen, das sei ein wesentlicher Teil seiner Arbeit. «Wir ermöglichen einfach Dinge, das sehe ich aber eigentlich nicht als dienen.» Die Hotelmitarbeitenden und die Gäste müssten auf Augenhöhe, im Dialog, miteinander verkehren. «Wenn das nicht gelingt, dann sind es für das Hotel Eden nicht die richtigen Gäste.»
Wie hält es Patrick Jäger mit der Devise «der Gast ist König»? «Meine Antwort wird wohl zur Titel-Schlagzeile. Der Gast ist kein König. Denn einem König begegnet man nicht auf Augenhöhe.» Bedingungslose Unterordnung unter einen König gehe nicht. «Das funktionierte noch nie», sagt Jäger. «Wir arbeiten gewissermassen im Team – Gäste und Hotelmitarbeitende.»
«Keep it simple but significant»
Patrick Jäger versteht sich nicht als «Direktor mit Vorzimmer», nicht als «Spitze der Machtpyramide». Er versuche, nahe bei den Mitarbeitenden zu sein. Was auch gelinge, da er schon lange im Haus sei. Seine 73 Mitarbeitenden (48 Vollzeitäquivalente), inklusive neun Lernenden, sehen den Chef regelmässig, wie er im täglichen Betrieb im Haus unterwegs ist. So entstehen viele spontane Gespräche. «In den ersten Sekunden spüre ich, ob mir der Mitarbeiter etwas mitteilen will oder nicht.» Dass sie ihm vertrauen würden, spüre er an den Anliegen, mit denen sie zu ihm kämen. Manchmal sind es persönliche Anliegen, manchmal Kleinigkeiten und auch betriebliche Angelegenheiten, ohne dass die Abteilungsleiter immer informiert wurden.
Im vertrauensvollen Miteinander könne vieles unkompliziert optimiert werden, und zwar nicht nur im Sinne der Kosten. Zu wissen, was die Mitarbeitenden denken und für ihre Arbeit brauchen, ist ihm wichtig. So würden bei einem Leitungswechsel in einem Bereich Neuerungen nicht eingeführt, nur weil eine neue Person die Führung übernommen habe. Eingeführt würde nur sinnvolles Neues. Er nennt beispielsweise Reinigungsmittel, Reinigungswägen, längere Staubsaugerkabel. Im Team wird über solche Dinge erst geredet, dann getestet und schliesslich geordert, wenn sie sich bewähren.
Durch solche gemeinsamen Entscheidungen könnten Dinge und Prozesse sicherer und weniger fehleranfällig gemacht werden. «Ich sehe mich als Direktor, der Dinge ermöglicht und dafür jederzeit eine offene Tür hat.» Wenn er ein Motto für seinen Führungsstil nennen müsse, dann sei es «keep it simple but significant».

7 Fragen – 1 Joker
Welchen Platz bekommt der Einzelreisende, wie ich, im Speisesaal?
Plakativ gesagt: jenen Platz, an dem sie sich in diesem Moment am wohlsten fühlen. Wir sprechen mit den Leuten über ihren Platz – Raum zum Sein. Es gibt Alleinreisende, die wollen nicht allein im Speisesaal sein, sondern ziehen es vor, in der Bar oder in der Bibliothek zu essen – und wir bieten überall die gleiche Karte an.
Grösstes Kompliment von einem Gast?
Eine Frau, deren Mann verstorben war, sagt mir: «Sie helfen mir, meine Erinnerung an meinen Mann zu erhalten.» Die Erinnerung an diese Aussage berührt mich jedes Mal, wenn ich daran denke. Bewahrer von Erinnerungen sein zu dürfen, ist für mich das Schönste.
Grösste berufliche Peinlichkeit?
Ehrlich, mir ist nichts peinlich. Man trifft so viele Menschen in so vielen Situationen.
Ist die Minibar im Hotelzimmer-Preis inbegriffen? Warum ja/nein?
Nicht inbegriffen. Wir legen Wert auf eine transparente Abrechnung. Der Gast soll bezahlen, was er konsumiert, denn wir haben in der Minibar ein breites Angebot.
Welches Buch aus der Hotelbibliothek haben sie gelesen?
«Dissonanzen» von Flavio del Ponte. Der Kriegschirurg behandelte im Auftrag der Schweizer Armee in verschiedenen Kriegen weltweit Schwerverletzte. Seine erste Lesung in der Deutschschweiz fand im «Eden» statt und war sehr bewegend.
Was wird in ihrem Hotel am meisten mitlaufen gelassen/gestohlen?
Bademäntel und Wellness-Taschen. Die Taschen haben wir inzwischen so konzipiert, dass sie mitgenommen werden dürfen.
Welche Gäste möchten Sie nie mehr in ihrem Hotel?
Gäste, die Mitarbeitende oder unsere Dienstleistung nicht respektieren. Wenn sie ihre Rechnung nicht bezahlen und abreisen, was allerdings selten vorkommt.
Das Schöne, Wahre, Gute
Patrick Jäger, was ist für Sie das Schöne?
(Überlegt lange) Wenn es heute funktioniert und zu wissen, dass es auch morgen wieder funktioniert.
Was ist für Sie das Wahre?
Der Kontakt und Austausch mit den Mitarbeitenden und den Gästen.
Was ist für Sie das Gute?
Das Gegenteil wäre das Böse. Das Gute ist, hier zu sein, nicht in Angst, nicht mit Sorgen zu leben. Für das Selbstverständliche, das wir hier haben, dafür darf man dankbar sein.
Hotel-USP braucht Zusammenspiel, nicht Superlative
Das angeregte Gespräch dauert bereits zwei Stunden. Patrick Jäger ist voll bei der Sache, konzentriert und authentisch. Als sich zwei zeitungslesende, kaffeetrinkende Gäste an einen Nebentisch setzen, wird seine Stimme etwas leiser. Mir scheint, dass er die Gäste bei ihrer Lektüre nicht stören möchte. Mithören können sie selbstverständlich, denn auf die Frage, was denn das Besondere, der USP, seines Hotels sei, antwortet er mit einem äusserst reflektierten Gedanken, schien mir. Der erste Teil seiner Antwort war eher Standard – Gäste suchten Hotels, die eine Seele hätten, wo das Menschliche spürbar sei.
Dann formulierte er den interessanten Gedanken: «Einen USP unseres Hotels kann ich nicht zeigen. Die Gäste machen den USP. Das Zusammenspiel aller, das Angebot, der Ort sind entscheidend. Es gehe nicht darum, ein USP mit der Idee zu verfolgen, das hat noch kein anderer gemacht. Der USP ist kein Superlativ. Es ist etwas anderes, etwas Lebendiges. Ein USP braucht Beiträge von allen. Ein USP entsteht nur dann, wenn sich alle wohlfühlen, die Gäste und die Mitarbeitenden.»
Gäste, die sich im Hotel Eden wohlfühlen, kommen wieder. Wie zeigt sich, ob sich die Mitarbeitenden wohlfühlen? Patrick Jäger erzählt eine kleine Story. Der Referent für eine interne KI-Mitarbeiterschulung fragte Cornelia, die seit zwei Jahren an der Bar arbeitet, wie sie auf der Skala von 1 bis 10 mit ihrem Job zufrieden sei. 10 war die Antwort. Die Begründung: Sie hätte hier alles, um den Job gut zu machen – genügend Gläser, eine funktionierende Kasse, eine grosse Auswahl an Getränken. Darin sieht der Hoteldirektor das Wesentlichste bzw. die Voraussetzung für das Wohlfühlen, sozusagen als Ergebnis des Gelingens: «Wir wollen die Mitarbeitenden befähigen, ihren Job wirklich tun zu können. Dann braucht es kein Employer-Branding, keine Benefits, kein Fitnessabo.» phg
Patrick Jäger

Hotelsterne
Was steckt für Patrick Jäger in den Hotel-Sternen? Für ihn sind sie «eine Klassifizierung». Sie hätten eine «gewisse Wichtigkeit» für die Orientierung der Gäste. Auf jeden Fall stehen die Sterne für ihn nicht im Vordergrund. Aber abschaffen will er sie nicht. «Was wir tun, orientiert sich nicht an den Sternen. Es geht um die Gäste und die Mitarbeitenden.» Sein Haus positioniert sich als Vier-Sterne-Superior-Hotel. In vielen Bereichen erreiche man sogar fünf Sterne: «Es fehlt an nichts.» Selbst besuchte der «Eden»-Direktor schon Sechs- und Sieben-Sterne-Hotels im Mittleren Osten – aus Gwunder. Dort habe er sich immer überlegt, warum alles so gross sein müsse. Warum man Cappuccino mit Goldstaub serviere? Warum man mit dem Auto an die Hotellobby fahren soll? Beim Sinnieren sei ihm klar geworden: «Ich bin hier falsch und ich hatte den Eindruck, die Mitarbeitenden des Hotels vermittelten mir das auch.»
«In guten und in schlechten Zeiten»
Seit seiner Koch-Ausbildung in Deutschland arbeitet Patrick Jäger in der Schweiz und nur in der Schweiz. Globale, internationale Erfahrungen sammelte er nicht, wie sie in der Branche oft gehypt werden. Warum? «Anfänglich hat es sich ergeben. Später ist es eine Entschei-dung geworden. Kontinuität ist mir immer wichtiger geworden. Bin ich deshalb
ein schlechterer Direktor als jemand, der x-mal seinen Arbeitgeber wechselte? Kontinuität, so denke ich, schafft Wert für Unternehmen. Es ist eine Leistung, an einem Ort dran zu bleiben. Was ist der Wert von häufigen Wechseln? Da hat es bei mir Klick gemacht. Für mich ist jemand ein Vorbild, der in guten und in schlechten Zeiten für sein Hotel arbeitet. Einen Erfahrungsschatz kann man bei einem Wechsel erst mitnehmen, wenn man viele Jahre für ein Haus gearbeitet hat. Mit diesem Hintergrund kann man ein anderes Haus wirklich weiterbringen.»
7/24/365 und der Familiengarten
Patrick Jäger ist ein 7/24/365-Direktor. Er neige dazu, immer erreichbar zu sein, damit es im Fall der Fälle rasch eine Lösung gibt. «Weil ich anbiete, immer erreichbar zu sein, werde ich aber nicht bei jeder Kleinigkeit kontaktiert.» Seine Freizeit gehört seiner Familie. Die freie Zeit misst er nicht in Tagen, sondern in stimmigen Momenten. So brachte er vor unserem Gespräch, wie jeden Mittwoch, seine Tochter in den Kindergarten. Im Familiengartenverein Spiez, im 250-m2-Garten, pflanzt die Familie Gemüse, Obst, Beeren, Zwiebeln, Spargel und vieles mehr an. Die saisonalen Ernten freuen den gelernten Koch und kommen auf den Familientisch. Dennoch, ohne die 7/24/365-Formel geht es nicht. Er könne sich nicht vorstellen, Silvester nicht im Hotel zu verbringen. «An Silvester arbeiten, ist megacool. Schon jetzt freue ich mich auf den 15. Silvester im Hotel Eden und den gemeinsamen Rutsch ins 2027.»
