Bier – ein unterschätzter Alleskönner

Bier – ein unterschätzter Alleskönner

Bier ist ein allzu oft übersehenes, doch komplexes und anspruchsvolles Genussmittel. Sorgfältig ausgewählt, kann es nicht nur erfrischen, sondern auch überraschen und die Hotel-Gastronomie aufwerten.

Julia Zimmermann

 

In den letzten Jahren hat sich der Alkoholkonsum zu einem bewussteren entwickelt, der im Einklang mit einem gesünderen Lebensstil steht. Dennoch ist das Bier vom Getränkemarkt nicht wegzudenken, wobei gerade das alkoholfreie einen klaren Aufwärtstrend erlebt. 

Bier bedeutet nicht zuletzt auch immer ein Stück Kulturgeschichte. Die Anfänge des Bieres lassen sich bis in die Zeit um 4000 vor Christus zurückverfolgen. Heute ist es für viele der Inbegriff von Geselligkeit und Genuss, doch durch den Trend zum bewussteren Lebensstil werden Konsument:innen selektiver. Geniesser:innen legen höheren Wert auf Regionalität, handwerkliche Qualität und Stilvielfalt.

Das schafft Raum für Spezialisierungen. Brauereien setzen auf regionale, hochwertige Zutaten, kurze Lieferwege und sorgfältige Verarbeitung. So entstehen Qualitätsbiere, die ohne Probleme in der Sternegastronomie mithalten können. Zugleich eröffnen sich neue Perspektiven, beispielsweise für die Zusammenarbeit mit gehobenen Hotels, die ihr Angebot mit auserlesenen Marken aufwerten und sich mit einem durchdachten Bierangebot klar definieren und von der Konkurrenz abheben möchten.

Ein Hotel, das nebst einer exklusiven Wein- auch eine aussergewöhnliche Bierkarte vorweisen kann, sticht heraus. Damit positioniert es sich als ein Betrieb, der Details schätzt und bei der Produktauswahl selektiv vorgeht, was für die Gäste nur Produkte, die höchste Qualitätsstandards erfüllen, bedeutet.

 

Vom Durstlöscher zur Delikatesse

In der Hotellerie gewinnt Bier jedoch nicht nur als Getränk, sondern auch im Bereich des Fine-Dinings und im Kontext von Gourmet-Food-Pairing zunehmend an Bedeutung. 

Viele Küchenchefs kochen längst mit Bier – in Saucen, Marinaden oder Desserts. Und auch im Food-Pairing macht Bier eine gute Figur: Als Begleitung zu Degustationsmenüs hebt es die einzelnen Aromen hervor oder begleitet die Gerichte unterstützend. Dank der enormen Sortenvielfalt findet sich auch zu jeder Zutat die passende Begleitung.

Der Genuss und die sensorischen Aspekte von Sauerbieren beispielsweise lassen sich mit Naturwein und Cidre vergleichen, was eine breite Palette an vielseitigen Kombinationsmöglichkeiten bedeutet. Vom erfrischenden Apérobier bis hin zur Ergänzung eines gediegenen Dinners, beidem beispielsweise Fisch auf der Speisekarte steht, überzeugen Sauerbiere in der Begleitung. Stouts oder dunkle, kaffeearomatische NEIPAs hingegen kombinieren sich ausgezeichnet mit kräftigen Speisen und Desserts, während sich leichtere helle Biere mit ihrer ausgewogenen Art vielseitiger einsetzen lassen und somit ein Gourmetgericht perfekt ergänzen, ohne ihm die Bühne zu nehmen.

Für besondere Anlässe lohnt sich das Öffnen einer Champagnerflasche, doch nicht etwa mit Champagner, sondern mit hochprozentigem Fassbier gefüllt. Die edlen Flaschen machen den Service zum Kult und bieten überraschenden Show-Effekt bei maximalem Genuss.

 

Goldene Zukunft

Mit ganzen 137 Brauereien pro einer Million Einwohnern hat die Schweiz die höchste Brauereidichte Europas. Dies liefert eine gute Ausgangslage, das Hopfengold vermehrt in der Hotellerie zu integrieren, und bietet die Möglichkeit, vermehrt auf regionale Produkte zu setzen.

Zudem sind Biere fast ausnahmslos im Keller  langjährig lager– und ausbaubar, denn ähnlich wie Wein besitzen gerade Sauer- und fassgereifte Biere bei längerer Lagerung Wertsteigerungspotenzial.

Die Zukunft von Bier als Genussmittel in der Hotellerie liegt in einer stärkeren Positionierung als hochwertige und vielseitige Delikatesse, die auch ein elegantes Abendessen exzellent begleiten kann. Ausgezeichnete Qualität sowie die Regionalität des Produkts, zusammen mit der Wertschätzung des Potenzials von Bier, alkoholfreie Varianten eingeschlossen, festigen den Status des Bieres als stilvolle Alternative zu Wein oder klassischen Softdrinks.

Für die richtige Präsentation und volle Ausschöpfung des Potenzials von Bier braucht es zudem stilsichere Beratung durch Service und Bar, ähnlich wie beim Wein. Aus diesem Grund bietet der Schweizer Brauerei-Verband zusammen mit Gastro-Suisse Seminare zur Fortbildung an, beispielsweise das Seminar Schweizer Bier-Sommelier/e. oder das Online-Lernmodul Bierkompetenz.

 

Herzlicher Dank gilt folgenden Brauereien und Institutionen, die mit ihren Einschätzungen und Informationen zum Artikel beigetragen haben:

 

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