Das Hotelbad ist längst mehr als ein rein funktionaler Raum. Es ist Teil des Gesamterlebnisses und oft unterschätzt, selten bewusst wahrgenommen, aber entscheidend für den Eindruck eines Aufenthalts. Im Gespräch erklärt Ivo, welche Faktoren wirklich zählen und warum die Zukunft des Hotelbads in Richtung Mini-Spa geht.
Interview mit Ivo Christow über Details, Design und das Spa-Gefühl im Hotelbadezimmer
Welche Details sind bei der Planung eines Hotelbads essenziell, obwohl Gäste sie kaum wahrnehmen?
Es sind vor allem die versteckten Dinge. Aspekte wie Schalldämmung oder die Qualität der Entlüftung fallen dem Gast nicht direkt ins Auge, aber sie werden sofort gespürt. Wenn Geräusche nicht abgeschirmt sind oder sich Feuchtigkeit staut, wirkt sich das unmittelbar auf das Wohlbefinden aus. Hinzu kommen Materialien wie etwa rutschhemmende Oberflächen, diese strahlen Sicherheit aus. Oder auch die Beleuchtung und Fussbodenheizung. All diese Elemente wirken subtil, fast intuitiv. Der Gast nimmt sie nicht bewusst wahr, aber sie prägen das Erlebnis.
Wie hängt das Design der Nasszellen im Hotelzimmer mit dem Design des Hotel-Spas zusammen? Kann das Hotelbad bzw. die Hoteldusche als eine Art kleines Mini-Spa gedacht werden?
Absolut. Dieser Trend ist seit Jahren zu beobachten. Hotelbäder entwickeln sich weg von der reinen Nutzfläche hin zu einem Erlebnisraum. Räume werden geöffnet, grosszügiger gestaltet und funktional getrennt, z. B. durch separate WC-Bereiche. Auch die Materialwahl hat sich stark verändert. Statt klassischer, weiss gefliester Räume kommen heute warme Materialien wie Holz oder Naturstein zum Einsatz. Das schafft eine wohnlichere, entspanntere Atmosphäre. In gehobenen Hotels verschwimmen die Grenzen zwischen Bad und Zimmer, etwa durch freistehende Badewannen oder intelligente Glaslösungen. Ergänzt wird das durch Musik, Lichtkonzepte oder separatem Fernseher. Das Ziel ist klar: Das Badezimmer soll sich wie ein privater Spa-Bereich anfühlen, individuell und jederzeit zugänglich.
Können Hotel-Nasszellen ein echtes Highlight des Aufenthalts sein? Und ist das heute überhaupt gewünscht?
Das hängt stark vom jeweiligen Hotelkonzept ab. In einem Businesshotel stehen andere Anforderungen im Vordergrund als in einem Leisureoder Wellnesshotel. Doch ich glaube es besteht überall das Potenzial, ein Badezimmer als Highlight zu inszenieren. Viele Gäste erinnern sich besonders an grosszügige Duschen, hochwertige Ausstattung oder spezielle Features. Regenduschen sind in vielen Hotels bereits Standard, aber zum Beispiel Duschen mit integrierten Dampffunktionen können sowohl den Leisure- Gast begeistern als auch den Business-Gast, wenn er nach einem anstrengenden Meetingtag den Stress direkt im Zimmer wegschwitzen kann, ohne extra in den Spa-Bereich zu müssen. So wird das Hotelbad zum emotionalen Bestandteil des Aufenthalts und kann zu einem spannendem Differenzierungsmerkmal werden.

Ivo Christow, Head of Design bei der Krucker Partner AG, ist seit über 20 Jahren als Innenarchitekt und Szenograf tätig. Für den Hotelier beantwortet er Fragen zu den aktuellen Themen dieser Ausgabe.
