Hotel-Investitionen: Alles fliesst, nichts ist definitiv und die Renditen sind solid

Hotel-Investitionen: Alles fliesst, nichts ist definitiv und die Renditen sind solid

Der Event des Swiss Hospitality Investment Club (SHIC) ist lässig-chic. Zudem ist
er der einzige Schweizer Netzwerk-Event der Hospitality-Branche für bereits aktive und neue Investoren. Und noch fast wichtiger: Er ist ein Kaleidoskop von Ideen, Projekten, Trends, Fakten und Meinungen aus der Branche für die Branche. Der «Hotelier» ist seit Beginn als Medienpartner dabei und fängt die Vielfalt des vierten SHIC ein. 

 


Martin von Moos: «Zusammenarbeit statt Zusammenschluss»
Zurzeit werden die Schwerpunkte für die Tourismus-Wirtschaft in der Schweiz mit Blick auf 2035 diskutiert. Das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO lud im September zum Meeting. Martin von Moos, Präsident von HotellerieSuisse, plauderte auf dem SHIC-Podium, geleitet von der «Hotelier»-Chefredaktion, ein wenig aus dem Nähkästchen. Er schickte aber voraus: «Nichts ist definitiv.» Aus Sicht der Hotellerie waren «die Digitalisierung, die Balancierung der Touristenströme und die Regulierung» zentrale Themen. Zudem wurde über die Finanzierung gesprochen. Der Grund dafür: das Entlastungsprogramm 2027 (EP27), das den Tourismus (Innotour, Sportförderung, Schweiz Tourismus, Regionalpolitik) mit Kürzungen von rund 70 Mio. Franken direkt oder indirekt treffen könnte. Zum umstrittenen Entlastungs­programm lief die Debatte im Ständerat unmittelbar nach der Herbstsession der Eidgenössischen Räte an. 

Zufrieden zeigte sich von Moos mit der Beibehaltung des Mehrwertsteuer-Sondersatzes von 3,8 Prozent bis mindestens 2035, auch wenn der Verband sich weiterhin für eine unbefristete Festlegung einsetzen will. Auf die Frage, ob der finanzielle Druck nicht dazu führen könnte, die Anzahl der Verbände in der Tou­rismus-Wirtschaft zu verschlanken, meinte er: «Die Zusammenarbeit mit GastroSuisse läuft sehr gut. Wir verhandeln wieder über einen landesweiten Gesamtarbeitsvertrag in der Branche. Die beiden Verbände haben viele gemeinsame Ziele, eine Fusion ist aus Sicht von HotellerieSuisse jedoch kein Ziel.» Auf das ­Problem der Unterkünfte für Hotelmitarbeitende machte Giles Zollinger, Mitglied der SGH-Geschäftsleitung, aufmerksam, als über die Rolle von Airbnb und Wohnungsnot in Städten diskutiert wurde. Das Problem: «Es ist in einer Ferienwohnung attraktiver, eine Zweitwohnung über Airbnb anzubieten, als Mitarbeiterunterkünfte zur Verfügung zu stellen.» 

 


Jessica Lindauer: Hotels sind eine «fantastische Beimischung»
Als Real Estate Switzerland Executive Director im UBS Fund Management führt Lindauer den neuen UBS-Fund «Living plus». Der Fund-Schwerpunkt ist «Wohnen» und er sei mit 10 bis 15 Prozent in Hotels investiert. Zu den gegenwärtigen Fund-Entwick­lungen sagte Jessica Lindauer: «Wohnen in den verschiedensten Formen liegt im Trend. Hotels sind eine fantastische Beimischung in einem Portfolio. Lifestyle-Hotels in Städten sind auch gesellschaftlich interessant, da sie das Leben in ihrer Umgebung beeinflussen und gleichzeitig den Lebensstil ihres Quartiers aufnehmen.» Mit dem Living-plus-Fonds strebe die UBS eine Rendite von 4 bis 5 Prozent an. Dabei setzt man auch auf die Alpenregionen. «Die ­laufen super», schwärmte Lindauer.

 


Julia Wyss: Hotels rentieren besser als Büros
In der Schweiz sind aktuell 0,9 Prozent neue Hotelzimmer, ge­­messen am heutigen Stand, im Bau. Bei den Büros liegt die Rate bei 3,5 Prozent. Dies, obwohl das Renditewachstum in der Hotellerie bei 3 Prozent, das Wachstum der Mietzinsrenditen für Büros durchschnittlich nur bei 1,7 Prozent liege. Neben diesen Zahlen sagte Julia Wyss, Joint Lead Hotels & Operational Real Estate Switzerland bei CBRE, dass «tendenziell Hotelinvestitionen vor allem durch ausländische Investoren in der Schweiz nachgefragt» würden. Der Grund dafür seien die Renditezahlen. «Zudem bieten Hotels Immobilien-Investoren in ihren Portfolios Diversifika­tionsmöglichkeiten.» 

 


Christoph Flügel: «Es ist eine Frage der Wahrnehmung»
Als Vorstand der deutschen Arbireo ­Ca­­pital AG brachte Christoph Flügel ein wesentliches Problem zwischen institu­tionellen Investoren und Hotels auf den Punkt. «Hotels sind in den Renditen ­ziemlich stabil. Allerdings werden sie von institutionellen Investoren als riskant be­­trachtet. Diese Wahrnehmung ist das Problem, die gilt es zu ändern.» ­Flügel, der mit seiner Firma mit rund 20 Prozent in Hotels investiert ist, analysierte weiter: «Die Institutionellen bringen Professio­nalität in die Hospitality-Branche.» Mit etwas Schalk fügte er bei: «Sie investieren langfristig, erwarten aber dennoch kurzfristige Renditen.» 

 

Reto Grunder: «Hotels gefallen mir immer besser»
Das war die Antwort des Chief Investment Officer von PSP Swiss Property, Reto Grunder, auf die Frage, ob bei der gegenwärtigen Renditesituation nur noch Hotels gebaut werden sollten. Im PSP-Portfolio würden aktuell fünf Hotels betreut. Dennoch, im ­wirklichen Leben nur auf Hotels setzen, das möchte er nicht. «Wir legen den Fokus weiter auf Städte, auch wenn die Fünf-Sterne-Hotels in den Bergen laufen. Aber dort bleibt die Saison weiterhin ein grosses Thema.» Er erwartet von den PSP-Investitionen ein Renditeziel von 4 Prozent, «auch wenn das momentan nicht realistisch ist». 

 

Denise Seeholzer: EM-Gruppenspiele brachten mehr als Viertel- und Halbfinal
Grosse Events in der Schweiz sind für Denise See­holzer, Senior Account Manager DACH bei STR, ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Hotellerie in der Schweiz. Sie zeigte es am Beispiel der Frauen-Fussball-EM und am Eurovision Song Contest in Basel. Dort erreichte man mit 86 Prozent Hotel-Auslastung und einem durchschnittlichen Zimmerpreis von 265 Franken die Ergebnisse früherer Song Contests. Weitere Massnahmen, um den Erfolg der hiesigen Hotellerie zu steigern, sind in ihren Augen, die Aus­lastung zu steigern. «Die ist trotz Wachstum noch nicht zurück.» Dazu gehöre es, die Unterschiede zwischen Ferien- und Städte-Destinationen zu verringern, was mit der Ausdehnung auf den Ganzjahresbetrieb erreicht werden könne. Zum Wachstum der Hotellerie brachte sie interessante Zahlen, die auf der Basis von wöchentlich erhobenen Daten in weltweit 92 000 Hotels gründen. Weltweit wachse die Auslastung 2025 um bis zu 2 Prozent, wobei die Luxus-Hotellerie auf 6 Prozent komme. In der Schweiz sei das Wachstum generell «anhaltend und moderat» und weise im Luxussegment eine Steigerung um 11 Prozent auf. Bei den Städten in der Schweiz würde derzeit Luzern die Spitzenposition einnehmen, wo ein Durchschnittspreis von 250 Franken pro Übernachtung erzielt werde. 

 

Ljuba Manz: «Man muss immer in der Krise kaufen»
Die Hotel-Pionierin, die Legende, die Eigentümerin der Manz Privacy Hotels, die Leaderin des Familienunternehmens Manz, Ljuba Manz, glänzte am SHIC mit Humor, Agilität und Merksätzen zu ihrem erfolgreichen Business-Modell. Drei Beispiele: «Ich habe vor allem Geschäfte gemacht, nicht Investments.» «Hotelier ist der schönste Beruf. Er macht die Leute happy. Und so ist auch der Hotelier glücklich.» «Man muss immer in der Krise kaufen.» (Das war die zweite Weisheit des Tages.) Manz illustrierte ihre Strategie an zwei Beispielen: «In der Krise 1973 habe ich das Hotel de la Paix in Genf gekauft. Und später das ‹Euler› in Basel. Das war ein Schnäppchen. Wenn die nächste Krise kommt, dann kann ich wieder schauen, was gekauft werden kann.» An Rücktritt denkt Ljuba Manz nicht, allenfalls trete sie etwas «auf die Seite». Fünf Enkel seien parat. «Wir Manzen werden nicht aussterben.» Auf die Frage der Familienstrategie, ob das Hotel-Imperium ausgebaut oder konsolidiert werden soll, wollte sie sich nicht äussern. Sie meinte nur: «Alles gehört der Familie und ich sitze da gut.» 

 

Robert van der Graaf: Es kann aber auch ganz anders sein
Die eine Weisheit des SHIC-Tages gab der Director Development des internationalen Brands IHG Hotels und Resorts zum Besten: «Der Hotel-Markt fragmentiert sich vor allem im Lifestyle-­Sektor. Aber es kann auch im Nicht-Lifestyle-Sektor sein.» Womit sozusagen eine Klammer um viele Aussagen auf den verschiedenen Podien gelegt wurde. Alles ist in Bewegung und nichts ist wirklich klar. Und zum Trend gehört der Gegentrend. 

 

Antoine Hubert: Erfolgreich dank «glücklichen Unfällen»
Der Walliser Immobilien-Tycoon, VR-Präsident und Hauptaktionär bei AEVIS /­ Victoria SA meinte im Gespräch mit Daniel Schneider, SHIC-Mitgründer, dass die Luxus-Hotellerie mit in seinem Portfolio (u. a. «Victoria Jungfrau», Interlaken, und «Schweizerhof», Zermatt) einen EBIT von 20 bis 25 Prozent erreiche. Zum Rezept für diese guten Zahlen gefragt, erläuterte er: «Viele grosse Brands arbeiten mit zu wenig Mitarbeitenden und müssen dann erklären, warum sie den Businessplan nicht erreichen.» Besonders imponiere ihm die Marke «Four Seasons», die weltweit nicht nur Hotels entwickle und betreibe, sondern auch dafür sorge, dass sie erreichbar seien. «Da wird das ‹Four Seasons› in ­Taormina über einen direkten Flug von New York nach Catania erreicht.» Wie er es aus dem Nichts geschafft habe, fragte Daniel Schneider. Huber: «Ich hatte keine andere Wahl. Und es gab auf meinem Weg einige glückliche Unfälle.» 

 

Lorenz Maurer: «Glückliche Mitarbeiter sind das Wichtigste» 
Der Area General Manager der Beaumier Hotels u. a. mit dem Grand Hotel Belvedere in Wengen überraschte am Investor-Event mit einem Statement: «Das Wichtigste sind glückliche Mitarbeiter. Wir suchen Leute mit Liebe und Passion für und zu den Alpen. Das ist uns wichtiger als der Ausweis einer Hotelfachschule.» Mit dem Boutique-Hotel hat er offenbar auch keine Schwierigkeiten, Unterkünfte für die 19 Mit­­arbeitenden zu finden. «Sie sind alle bei Privatleuten untergebracht, weil diese unser Projekt toll finden, obwohl sie mit Airbnb mehr verdienen könnten.»

 

 

SHIC 2025 und 2026
Die Gastgeber des vierten Swiss Hospitality ­Investment Club (SHIC) konnten sich schon vor dem Event des Erfolgs sicher sein. Innert kürzester Zeit war die Veranstaltung für Hospitality Investments im Samigo Amusement, einem Club direkt am See in Zürich, ausverkauft. Gut zweihundert Branchen­experten wollten auf der einzigartigen, lockeren Netzwerk- und Wissens-Plattform dabei sein. Den drei Gründern und Gastgebern Ion Egli, Bratschi Rechtsanwälte, Daniel Schneider, Monoplan und Tanja Millner, hospitality connect sowie Karin Emmenegger als verantwortliche Projekt­managerin ist es erneut gelungen, ein sprudelndes, unterhaltendes und nützliches Must-Meeting für die Branche auf die Beine zu stellen. In 17 kurzen ­Sessions haben vierzig Speakers ihre Insights, ihre Visionen, ihre Erfahrungen und gelegentlich nicht selten auch ihren Humor zum Besten gegeben. Übrigens: Der nächste SHIC findet am 3./4. September 2026 statt. 

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