Interior Design: Die Hospitality-Trends 2026

Interior Design: Die Hospitality-Trends 2026

Mit dem Salone Milano ist auch die letzte der wichtigen Design-Messen 2026 Vergangenheit. Hier sind die Trends, oder ehrlicher Tendenzen, im Hospitality-Bereich. Manches lässt sich rasch umsetzen, anderes dient eher der Inspiration.

Text: Suzanne Schwarz, Bild: Paola Lenti und atelier oï denken die Liege oder das Daybed für den Aussen- und Innenbereich neu.

Grundsätzlich schien der Salone in Milano kommerzieller ausgerichtet, wohl auch der allgemeinen Weltlage geschuldet. Einfachheit, Materialität und Qualität vermittelten Mut und Zuversicht. Quasi unsichtbare Nachhaltigkeit, die uns «like»-Verwöhnten wieder «sehen lehrt». Nicht ganz im Sinne der jungen Influencerinnen, die deutlich weniger präsent waren. Zwar traten die angesagten Auto- und Luxus-Modemarken immer noch mit opulenten Shows in den reich geschmückten Palazzi auf. So auch Louis Vuitton mit «Objets Nomades» im Palazzo Serbelloni. Die Hommage im prächtigen Ambiente galt dem Art-Deco Designer Pierre Legrain und seinen kunsthandwerklich reich verzierten Möbeln und Objekten. Den Eingangsbereich mit der alten Wendeltreppe verzauberte ein buntes Mobile von atelier oï.

Von der Modeikone Jil Sander veredelte Bauhaus- Klassiker von Thonet sind eine attraktive Investition für Kongress- und Tagungshotels.

 

Die Hauptrolle in vielen Showrooms übernimmt die Natur, als Inspirationsquelle wie als Ort der Kontemplation. So ist denn auch das Thema Outdoor in allen Varianten omnipräsent. Die Outdoor-Möbel oder von der Natur inspirierten Dekorationen wandern gar in den Innenraum.
Holz anfassen – nach wie vor ist Holz in allen Variationen das beliebteste Material der Designerinnen und Hersteller durch alle Kategorien und für alle Gelegenheiten. Holz naturbelassen oder farbig lackiert, glatt oder aufwendig geschnitzt.

Glas und seine Sprache – eine attraktive Möglichkeit, Leben und Licht in Innenräume zu bringen. Glas, seit jeher eine der faszinierendsten Ausdrucksformen des zeitgenössischen Designs, setzt sich erneut auch in der Innenarchitektur durch. Dabei wird geblasenes Glas mutig neu interpretiert.

Jede Leuchte ein Unikat aus mundgeblasenem Glas und geflochtenem Leder. Entworfen von atelier oï für höchste Ansprüche der Poltrona Frau-Kollektion.

 

Milano lohnt auch ausserhalb der Messe einen Besuch. Die sorgfältig kuratierten Showrooms rund um den Dom und die Scala sind leicht zu Fuss erreichbar, Milano-feeling mit den eleganten, flanierenden Menschen inbegriffen. Unbedingt zu empfehlen ist ein Besuch der Triennale, deren fantastische Ausstellungen noch bis zum Herbst zu sehen sind (Vorsicht: Montag geschlossen).

Die neuen Möbel
Bauhaus recycled: Bauhaus wird ins 21. Jahrhundert übertragen. Perfekt gelungen bei Thonet – die deutsche Modeikone Jil Sander machte aus dem typischen 30er-Jahre Freischwinger einen eleganten, bequemen Sessel, der jede Lobby oder Bibliothek aufwertet.
Für Polstermöbel ist weiterhin ein bodennaher Stand gefragt, mit voluminösen Formen und abgerundeten Kanten. Neue, sanfte Farben, warme Pastelltöne und klassische Primärfarben prägen das Bild. Mimosen- oder Kanariengelb ist der Star der Stunde, auch Bordeauxrot ist häufiger zu sehen. Das als Trendfarbe 2026 ausgerufene Weiss «Cloud Dancer» lässt sich als Akzent gut damit kombinieren.
Apropos: Wer in seinem Haus zufällig einen Fundus im Estrich oder Keller mit «Möbeln aus der Zeit» hat, sprich Möbeln aus der Zeit der Vorgänger, sollte sie dringend in Augenschein nehmen. Man richtet wieder mit antikem Chalet- Mobiliar oder anderen Antiquitäten ein, und sei es auch nur ein Raum oder eine Ecke der Bibliothek.

Die moderne Mosaikfliesen-Kollektion AMDL Circle von Michele de Lucchi in schwarz-weiss edelt Bisazzas 75-Jahre-Jubiläum.

 

Bad zwischen Nachhaltigkeit und Innovation
Das neue Bad zeigt vertraute Formen, sanft an die Gegenwart angepasst und mit aktueller Technologie produziert. Das Hotelbad ist kein abgeschlossener Raum, sondern Teil des Ambientes. Neue Produkte unterstützen durchdachte Konzepte: Material, Farbe und Gestaltung im Einklang. Zu Material und Langlebigkeit gehören Technologie und Produktionsprozess.
Atelier Oï und Geberit schufen für das neue permanente Geberit Experience Center Milano die sensorische Installation «RŌS». Das bewährte Experimentierdesign der Gestalter vom Bielersee will Wasser verstehen, seinen natürlichen Lauf begreifen. Mit feinen Edelstahlfedern lenken sie die Bewegung des Wassers und realisierten so eine anmutige Choreografie aus Natur und Technik.
Laufen präsentiert mit «Experience Tomorrow» einen neuen emaillierten Stahl für Waschbecken; ein starkes Metall, glatt wie Glas, hygienisch, kratzfest und äusserst langlebig. Auch hier ist schwarz für sanitäre Einrichtungen sehr präsent, bisher in der Schweiz kaum ein Thema.
Weshalb aber fragen sich leidgeprüfte Hotelgäste zu oft immer noch, wo sie ihre wenigen Toilettenartikel im Hotelbad platzieren können und wieso sie sich im Spiegel nicht wiedererkennen? Hoffentlich bald Tempi passati.

Böden und Wände
Naturstein, Keramik und mehrfarbig gemaserter Marmor sind beliebte Innenausbau- und Möbeldesign-Materialien. Buchstäblich in Stein geschrieben, zeigen sich mit Schriftzeichen dekorierte Wände als handwerkliche Meisterstücke. Cristina Celestino entwarf mit «Signature» eine Kollektion aus Feinsteinzeug für Florim, inspiriert von Krepp-Papier und feinen Adern von Blattstrukturen. Bisazza feiert und lässt Michele de Lucchi in grafischem schwarz-weiss entwerfen.

Die Installation von atelier oï empfängt die Gäste in der Louis Vuitton-Show im Palazzo Serbelloni, Milano.

 

Textilien
Erholsamer Schlaf und angenehme Lichtverhältnisse sind zentrale Faktoren für den Wohlfühlfaktor im Hotelzimmer. Textile Lösungen ermöglichen eine differenzierte Steuerung von Tageslicht, Blendung und Verdunkelung. Vorherrschend sind 2026 gewebte Strukturen in den unterschiedlichsten Materialien und Webtechniken, für drinnen wie draussen. Fischbacher 1819 präsentierte die umwerfend schöne neue Kollektion mit Seidenstrassen-Motiven mit Textilien, Teppichen und Tapeten, ausserdem neue Outdoor-Textilien, auch unempfindliche, recycelte aus der Benu-Kollektion.
Création Baumann kann mit acousticpearls eine umfassende Palette ganzheitlicher Akustiklösungen unter eigener Marke anbieten – in vielen Farben, von Akustikpaneelen und akustisch wirksamen Textilien bis hin zu Innenbeschattungssystemen.

Akustik
Apropos Akustik: Wer seit geraumer Zeit sämtliche geräuschdämmenden Materialien aus Restaurants verbannt hat, kann kein Genussmensch sein. Wo ist das Problem, gute Akustiklösungen einzuplanen, wenn schon auf Teppichböden, Vorhänge, Tischdecken und Sitzpolster verzichtet wird? Es gibt sie nämlich, auch in der Schweiz, Unternehmen, die sich ausschliesslich mit Akustiklösungen beschäftigen. Auch die Firma Acoustic elements, die aus Einwegmaterialien funktionale Elemente für die Raumakustik produziert. Zu testen in Zürichs neuem HOI House of Interiors. Dort wurden Veranstaltungsräume damit ausgerüstet, Wand- und Deckenpaneele eingebaut. Weggeworfenes wird so schon heute in Begehrenswertes verwandelt, Produkte nicht nur für ein Leben entworfen, sondern für mehrere, ohne Kompromisse bei Qualität oder Ästhetik.

Marmor prägt erneut die Szene. In vielen Formen und Farben. Pillar Collection, Design Spinzi für Serafini.

 

Farbe als Konzept
Farben sind oft verkannte, essenzielle Gestaltungselemente, die Raumwirkung und Materialität definieren. Auch Wandund Deckenfarben spielen eine grössere Rolle, als man denkt. Farben haben eine direkte Wirkung auf Wohlbefinden, Orientierung und Funktionalität eines Raums. Sie beeinflussen, wie Menschen sich darin bewegen, konzentrieren und miteinander kommunizieren. Mehr Mut bringt erstaunliche Resultate. Die leuchtende Farbe Kanariengelb ist der Newcomer der Messen 2026.

Zwei neue Ausstellungen nicht nur für Farben-Fans
Auf dem Gelände der Firma Vitra in Weil gibt es diesen Sommer zwei so wegweisende wie vergnügliche Ausstellungen. Im Design Museum ist zunächst die holländische Designerin Hella Jongerius zu Gast. Seit über 30 Jahren ist sie eine der prägendsten Persönlichkeiten des zeitgenössischen Designs. Ihre wegweisenden Arbeiten reichen von Textilien und Keramik über Möbel und Lampen bis hin zu skulpturalen Werken. Ihr Gefühl für Farben ist phänomenal, gut zu sehen an einigen Exponaten wie auch im Katalog, der die Ausstellung begleitet. Whispering Things © Vitra Design Museum, bis 6. September 2026.

Carin, Marianne und Verner Panton im Living Tower, ca. 1971 © Verner Panton Design AG Ausstellung Verner Panton. Form, Farbe, Raum, Vitra Schaudepot. Weil am Rhein.

 

Der 100. Geburtstag von Verner Panton wird im Vitra Schaudepot gefeiert. Seine Farborgien und die organischen Wohnlandschaften revolutionierten die Designszene und faszinieren bis heute: Der lange in Basel lebende dänische Architekt und Designer Verner Panton prägte ab den 1960er-Jahren wie kaum ein anderer das moderne Design. Neben seinen innovativen Möbeln wurde er für einen mutigen und experimentellen Ansatz in den Bereichen Beleuchtung, Textilien, neue Materialien und Innenarchitektur sowie für den meisterhaften Umgang mit Farben bekannt. Die Ausstellung dauert bis 9. Mai 2027 im Vitra Schaudepot.

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