Was passiert, wenn ein Luxushotel nachhaltiger werden will? Was sagt die Forschung dazu, was weiss sie noch nicht? Und was bedeutet das für unsere Branche heute, in einer Zeit veränderter Gästeerwartungen und steigender regulatorischer Anforderungen?
Peggy Achermann-Böhme
Lange galten Luxus und Nachhaltigkeit als grundsätzlich unvereinbar. Doch heute wird Luxus ein fluider Begriff, er bewegt sich vom reinen Materialismus hin zu Authentizität. Fast die Hälfte der Luxuskäufer 2025 waren Millenials und Gen Z, Generationen, die Transparenz und saubere Wertschöpfungsketten fordern, und die bereit sind, für authentische Erlebnisse mehr zu bezahlen. Der Zielkonflikt liegt daher weniger zwischen Luxus und Nachhaltigkeit als zwischen alten und neuen Vorstellungen von Luxus.
Der Tourismus ist für 7,3 % der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Im Energieverbrauch eines Hotels dominiert die Raumheizung mit 30 %, gefolgt von Warmwasser (17 %) und Kühlung (15 %)*. Das zeigt: Der Betrieb eines Hotels ist ressourcenintensiv. Bei Luxushotels kommen zusätzlich grössere Zimmer, mehrere Restaurants, Spa-Bereiche etc. dazu – all das steigert den Verbrauch pro Gast erheblich. Das ist keine Anklage. Es ist eine Einladung zum Nachdenken. Denn dieselbe Forschung zeigt auch: Die grössten Hebel – Heizung, Warmwasser, Kühlung – bieten das grösste Einsparpotenzial.
«Heutige Luxusreisende suchen keine protzige Zurschaustellung von Reichtum. Sie suchen Bedeutung, Authentizität und sind bereit, dafür zu zahlen.»
Die bisherigen Nachhaltigkeits-Massnahmen lassen sich in vier Kategorien einteilen: Energie, Logistik, Design und Recycling / Wiederverwendung. Energiesparend sind beispielsweise Solaranlagen, die in führenden Häusern heute bereits Standard sind. Lokale Lieferanten reduzieren weiter den CO₂-Fussabdruck. Natürliche Materialien wie Holz und Wolle ersetzen Kunststoff und synthetische Textilien. Eine der grössten Chancen liegt in Recycling und Wiederverwendung. Handtuch- und Bettwäscheprogramme gehören heute zum Mindeststandard. Viele Hotels gehen weiter und verwenden recycelte Produkte, Mehrwegflaschen oder sie kompostieren.
Die Praxis zeigt: Es gibt Spannungsfelder, die gelöst werden müssen. Das grösste Risiko ist das Greenwashing. Oftmals wird mehr kommuniziert als umgesetzt und gehandelt. Studien zeigen, dass die Nachhaltigkeitsberichte vieler Hotels an mangelnder Transparenz leiden. Gefordert ist eine Perspektivumkehrung. So amortisieren sich hohe Anfangsinvestitionen über langfristig sinkende Betriebskosten. Während die Luxusgäste der älteren Generation «grün» vielleicht eher ablehnen, wird es von der nächsten gefordert. Der Schlüssel liegt in der Integration: Nachhaltigkeit darf keine Abteilung sein, sie muss die gesamte Unternehmenskultur prägen.
Nachhaltigkeit ist nicht das Ende des Luxus. Sie ist seine Weiterentwicklung. Nicht als Pflicht, sondern als Chance. Nicht als Marketing, sondern als Führungsaufgabe. Jetzt ist der Moment, an dem die Branche zeigt, wie ernst sie die Zukunft nimmt.
*Diese Zahlen stammen aus der gesamten Hotellerie. Aus der Luxushotellerie gibt es (noch) keine Zahlen, doch wir wissen, dass höher dotierte Hotels weitaus höhere Zahlen haben.
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Peggy Achermann-Böhme ist diplomierte Hotelmanagerin HF und hat ihre Diplomarbeit «Problematik und Auswirkungen der Nachhaltigkeit im Rahmen der internationalen Luxushotellerie» 2025 im Rahmen des NDS HF Hotelmanagement eingereicht. |
