Die Rezeption muss den Spagat zwischen verschiedensten Aufgabenbereichen schaffen. An ihr muss vorbei, wer in den Gästebereich gelangen will, sie ist erste Anlaufstelle für Kundenanliegen und sie vertritt einen Hotelbetrieb nach aussen. Wie lassen sich diese Aufgaben architektonisch unter einen Hut bringen?
Sebastian Kilchmann
Das Gästewohl steht in der Hotellerie an oberster Stelle. Dies zeigt bereits die Wortherkunft: «Hotel» stammt vom lateinischen Wort hospitāle (Herberge) ab, das wiederum mit hospes (der Gast) verwandt ist. Der Gast will kulinarische Höhenflüge erleben, einen zuvorkommenden Service erhalten und sich wohnlich aufgehoben fühlen. Zugleich gehört zu einem Hotelbetrieb ein personeller und administrativer Apparat, der teilweise rund um die Uhr läuft und von dem die Besuchenden im besten Fall nur wenig bemerken. Serviceleistungen ausgenommen, versteht sich.
Diese Spannungsfelder spiegeln sich in der Bauweise eines Gästehauses wider und machen das Hotel zu einem architektonischen Sonderfall. Wie bei keinem anderen Gebäudetyp müssen in der Hotelarchitektur funktionale, ästhetische und repräsentative Elemente sinnvoll aufeinander bezogen werden. Eine bauliche Herausforderung, die nicht leicht zu bewältigen ist.
Rezeption im Fokus
Im Zentrum dieser Challenge steht die Hotelrezeption. Sie ist für die Gäste der erste Berührungspunkt mit einem Hotelbetrieb. An ihr gibt es kein Vorbeikommen, will man in den Kosmos des Gastgebers eintreten, und sie hat als Ort des ersten Eindruckes naturgemäss eine starke Präsenz. Sie ist aber auch eine zweckmässige Einrichtung, die eine gewisse Diskretion verlangt. Hier wird der Check-in erledigt und der Zimmerschlüssel übergeben. Zugleich ist die Rezeption die Schwelle zur artifiziellen Gegenwelt des Hotels, die in Kontrast zur nüchternen Alltagsrealität steht. An ihr findet der erste Kontakt mit dem Hotelpersonal statt und der bevorstehende Aufenthalt deutet sich verheissungsvoll an.
Die Rezeption ist deshalb das Aushängeschild eines Hospitality-Anbieters. Es gilt pars pro toto – an ihr zeigt sich das Selbstverständnis eines Hotels und wie es sich insgesamt am Markt positionieren will. Ob der Hotelbetrieb etwa auf Prestige und Exklusivität setzt, unkomplizierte Übernachtungsmöglichkeiten für Berufsreisende oder einen familiär-vertrauten Rahmen für Stammgäste bieten möchte.

Die räumliche Anordnung zählt
Eine Möglichkeit, dies auszudrücken, ist die räumliche Positionierung der Rezeption und das Verhältnis, das sie zu anderen Raumelementen eingeht. Ist die Rezeption unscheinbar und unauffällig, kann das einen Hinweis auf das Geschäftsmodell geben: Man hat es wahrscheinlich mit einem Anbieter zu tun, der weder seinen Namen in den Vordergrund stellen noch einen erinnerungsträchtigen Aufenthalt in Aussicht stellen möchte. Mit Geschäftsreisenden und Leuten mit tiefem Reisebudget als Zielpublikum stellt er einfache und niederschwellige Hospitality-Dienstleistungen zur Verfügung.
Die Dominanz der Rezeption kann auch dadurch geschmälert werden, dass sie sich als Teil eines Ensembles aus Lobby, Lounge und Bar in ihre Umgebung integriert. Sie ist so in einen Aufenthaltsbereich eingelassen, in dem man auch ohne konkretes Ziel gerne Zeit verbringt. In diesem Fall wird der Eindruck vermittelt, dass der Besuch einzig im Zeiche von Musse und Erholung steht, während die administrativen Vorgänge nur Hintergrundrauschen sind.
Ist die Adresse ein wichtiges Verkaufsargument, kann ein Hotel das Vertrauen in die eigene Marke dadurch zum Ausdruck bringen, dass es die Rezeption als Solitär in den Raum stellt. Sie markiert so eine klare Bruchlinie zur profanen Aussenwelt – eine Eingangspforte, die man zwingend passieren muss, um in die hochklassige Welt der High-End-Hotellerie einzutauchen. In den Anreisenden wird – möglicherweise begleitet von einem leichten Schauder der Ehrfurcht – die Vorfreude auf einen würdigen Aufenthalt geweckt.
Zwischen damals und heute
Das Volkshaus Basel Hotel geht einen Mittelweg. 2020 wurden Teile der in Stücken seit dem Mittelalter bestehenden Anlage umgebaut. Federführend: das in Basel beheimatete und international tätige Architekturbüro Herzog & de Meuron. Ziel war es, das umgebaute Gebäude als Hotel nutzbar zu machen und zugleich seinen ursprünglichen Charakter in aktueller Formsprache wiederzubeleben. Die Rezeption besetzt im Eingangsbereich eine prominente Stelle, fügt sich aber gleichzeitig harmonisch ins Raumgefüge ein. Unmittelbar an die linke Wand anschliessend, tritt sie symbolisch zur Seite und lässt den Besuchenden den Vortritt. Obwohl nur für den Empfang der Gäste bestimmt, ist der Raum nicht nur steriles Mittel zum Zweck, sondern Teil eines sorgfältig abgestimmten Gesamtkonzeptes. Diese Innenarchitektur begrüsst die Besuchenden mit einer warmen und freundlichen Atmosphäre und sorgt dafür, dass sich die Hotelgäste willkommen fühlen.
