«Ein Hotel führen ist keine Raketenwissenschaft»

«Ein Hotel führen ist keine Raketenwissenschaft»

Die Geschichte eines Hotels in heutiges Wohlbefinden für Gäste zu transformieren, ist eine Leidenschaft und Kompetenz von Roman Codina. Dass der Direktor des BEAUSiTE Zermatt dabei nicht immer dem Zeitgeist folgt, ist eine Qualität, die sowohl für ihn als auch für sein Hotel spricht. Dass er damit richtig liegt, zeigt die Auszeichnung bestes 4-Sterne-Ferienhotel des Andrin-Willi-Hotelrating Schweiz 2026|27.

Roman Codina, Direktor im BEAUSiTE Zermatt


Hilmar Gernet

Plätschvoll ist der Zug. Es werde der schönste Tag des Jahres, sagt ein Wanderer im Abteil nebenan. Es ist Mitte September und ich steige am Morgen in den Zug nach Zermatt. Tatsächlich, aus diesem sonnigen Morgen kann nur ein traumhaft schöner Tag werden. Gibt es eine schönere Erwartung, eine Steigerungsform des Wohlseins? Roman Codina, Direktor des BEAUSiTE Zermatt, dürfte es wissen.

Das erste Thema, das uns beschäftigt, ist die Affinität von Roman Codina für Geschichte, für historische Hotels. Ihn interessiert nicht nur, wie es einmal war. Ihn interessiert, wie man den historischen Kern transformieren, und – baulich und konzeptionell – in unsere Zeit bringen kann. In den Hotels BEAUSiTE Zermatt, Giessbach oder im Omnia, ebenfalls in Zermatt, hat er solche Transformationsprozesse erfolgreich geleitet.

«Hotellerie zählt zu den ältesten Gewerben. Wenn wir die Geschichte historischer Hotels respektieren, können wir viel lernen. Grand Hotels waren immer schon sehr kreativ. Sie machten bereits Erlebnis-Hotellerie, als dieser Begriff noch kein Marketing-Instrument war. Das Maloja Palace hat früh Massstäbe gesetzt, indem es Konzerte mit Musikern aus Mailand durchführte», erzählt er. Beeindruckt ist Codina von der Architektur der Grand-Hotel-Pionierbauten. «Ihre Querschnitte passen noch heute.» Er meint sogar, dass die heutige Hotelarchitektur davon lernen könnte. Denn oft würde es Architekten nicht gelingen, Funktionalität und Design zusammenzubringen. «Die Möglichkeiten neuer Erfindungen sind beschränkt, vieles war schon da.»

Zukunft gegen den Zeitgeist
Klar ist für Roman Codina auch: «Ein Hotel ist kein Museum. Ausser es gehört zum Konzept, dass man Übernachtungen wie um 1900 anbietet.» Transformation bedeutet für ihn, ein Hotel neu zu gestalten, ohne sich jedoch vom Zeitgeist verführen zu lassen. Adaptieren, anpassen ist für ihn das Zauberwort. «Die menschlichen Bedürfnisse haben sich nicht wesentlich geändert.»

So legt er im BEAUSiTE Wert darauf, den Gästen besonderen Service und besondere Betreuung zu bieten, ohne viel Digitalisierung. Diese Haltung – gegen den Zeitgeist – werde geschätzt. «Die Leute wollen mit Menschen reden. Eine persönliche Begegnung hat eine Dimension, die das Digitale nicht hat.» Im BEAUSiTE würden deshalb auch noch klassische Wanderkarten eingesetzt, wenn man Gästen den Weg der Fünf-Seen-Wanderung zeigt. «Bei der Wahl zwischen Haptik und Digitalem siegt die Haptik bei uns oft.» Als er dies sagt, lehnt sich Roman Codina im Sessel entspannt zurück und sagt: «Aber es gibt so viele Trends.» Dieser Diagnose schiebt er einen überraschenden Satz nach. «Die Digitalisierung ist nicht die Rettung der Schweizer Hotellerie.» Muss sie denn gerettet werden?


Die Weite geniessen aus der kuscheligen Nussschale

Muss die Hotellerie gerettet werden?
In seiner Wahrnehmung werde der mediale Eindruck erweckt, Rettungsmassnahmen müssten sein. So erhalte er seit letztem Mai, als das BEAUSiTE Zermatt als bestes 4-Sterne-Ferienhotel 2026 ausgezeichnet wurde (Andrin Willi Hotelrating Schweiz, «Die 150 besten Hotels der Schweiz»), unendlich viele Angebote per E-Mail, die das Hotel noch besser machen wollten. Den Vogel abgeschossen habe ein hartnäckiger E-Mail-Schreiber, der ihm ein Konzept zur besseren, ertragreicheren Parkplatzbewirtschaftung anbot. Dieser habe ihn mehrfach und persönlich angeschrieben und immer wieder nachgefragt. Zwischen humorvoll und hässig schwankt sein Kommentar zu dieser Belästigung: «Wir haben keinen einzigen Parkplatz und Zermatt ist autofrei.»

Da sei ihm der Film «Der grosse Diktator» mit Charlie Chaplin in den Sinn gekommen. Immer wieder hätten Tüftler dem Diktator Erfindungen präsentiert. Beispielsweise eine schusssichere Weste, die bei der 1:1-Demonstration tödlich endete. Heute reagiere er nicht mehr auf die grosse Fülle solcher Angebote; so wie früher, als Gratiswerbung noch im Briefkasten landete. Niemand erwartete eine Antwort.

Keine Diskussion über Plastikröhrli
Beim Thema Zeitgeist und Nachhaltigkeit wird der Hotelprofi leicht emotional oder zumindest engagiert. Nicht, weil er deren Bedeutung infrage stellt, sondern weil er der Meinung ist, dass ein pragmatischer Umgang die beste Herangehensweise ist. «Wir tun im BEAUSiTE sehr viel für die Nachhaltigkeit.» Gleichzeitig stellt er nüchtern fest: «Nachhaltigkeit ist heute kein Entscheidungskriterium mehr für die Gäste, sondern ein Must-have. Sie wird schlicht vorausgesetzt.»

Einen Nachhaltigkeitspreis strebt Codina nicht an. Ebenso wenig hält er davon, Selbstverständlichkeiten als grünes Marketing zu inszenieren. Greenwashing beginnt für ihn dort, wo Nachhaltigkeit stärker kommuniziert als gelebt wird. «Nachhaltigkeit muss man leben, nicht vermarkten.» Wärmepumpe, weniger Abfall und möglichst wenig Food Waste sind für ihn selbstverständliche Teile eines verantwortungsvoll geführten Hotels.

Diskussionen über Plastikröhrli hält er dagegen für wenig zielführend, solange gleichzeitig Skipisten beschneit werden und Menschen für ihre Ferien ins Flugzeug steigen. Hinzu komme, dass für viele nachhaltige Massnahmen längst auch ökonomische Gründe sprechen. Über das Fliegen sprechen wir dennoch. Wer reist, trägt zum CO₂- Ausstoss bei. Codina setzt auch hier auf Pragmatismus und technischen Fortschritt: «Die Lösung wird darin liegen, dass wir dank neuer Technologien nachhaltiger fliegen können. Das Reisen kann man den Menschen nicht verbieten.»

Humor ist …
In der Hotellerie neue Konzepte zu realisieren sei wichtig. Transformationen erfolgreich durchzuziehen ist eine Konstante in seinem beruflichen Leben. Dabei ist es ihm wichtig, nicht den Humor zu verlieren, nicht den Schenkelklopfer-Humor. Vielmehr den aus der Lebenserfahrung gespiesenen Humor, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen.

«Hotellerie ist keine ernste Angelegenheit. Sie soll ein Ausdruck von Leichtigkeit sein. Sie soll dem Gast auch Aussergewöhnliches bringen, dass er schmunzeln kann.» Gerade in der Ferienhotellerie sei Leichtigkeit eine Qualität. Der batteriegetriebene Hund und das Büsi im Empfangsbereich des BEAUSiTE, die mit den Augen rollen oder dem Schwanz wedeln, sind für Roman Codina bewusst platzierte Elemente von Leichtigkeit. Hund und Katze produzierten häufig ein Lächeln. «Das macht die Hotellerie aus. Man kommt herunter, egal, aus welcher Kultur man kommt.»


Cool – Design, Tradition, Wasser und das Horu


Trainer, nicht Stürmer
Im Hotel-Team sieht sich Roman Codina als «Trainer, nicht als Stürmer» und als «Generalist». Sein oberstes Ziel ist das Wohlgefühl des Gasts. «Er soll nicht wegen mir kommen, sondern wegen unseres Produkts. Ich bin nicht zuvorderst, sondern da sind die Mitarbeitenden.» Seine Aufgabe sei es, dafür zu sorgen, dass «unsere Bühne funktioniert», aber er sei nicht «der Entertainer». Dieses Modell funktioniere im BEAUSiTE Zermatt. So könne er auch in die Ferien fahren «und es geht weiter». Er kann auf Mitarbeitende zählen, die eine echte Grundmotivation für die Hotellerie haben. «Ich muss sie nicht jeden Morgen dafür loben, dass sie aufgestanden sind.»

Im Team pflegt Roman Codina mit Mitarbeitenden gerne das «Sie». Er kennt beide Kulturen, das angelsächsisch geprägte Du ebenso wie das kontinentale Sie. «Das Sie passt für mich, auch wenn es heute vielleicht etwas old fashioned wirkt.» Für ihn ist es kein Ausdruck von Distanz, sondern von gegenseitigem Respekt. Wenig kann er mit dem oft bemühten Bild der «Hotelfamilie» anfangen. «Wir sind keine Mitarbeiterfamilie. Anders als in einer Familie wählen wir unsere Mitarbeitenden aus.» Entscheidend sei, dass man gut zusammenarbeite und gute Ideen schnell umsetzen könne – unabhängig davon, ob sie von einem Lernenden oder einem Kadermitglied stammen. Respekt und Augenhöhe hängen für Codina nicht am Du.

Wohnen in der Wunschdestination
Mit der schwierigen Wohnsituation oder dem Fachkräftemangel sehen sich auch Zermatt und auch Roman Codina konfrontiert. Dramatisieren will er beides nicht. «Wir müssen für die Mitarbeitenden Wohnmöglichkeiten anbieten. Das gehört dazu. Das müssen wir lösen, nicht die Gemeinde.» Er verweist darauf, dass dieses Thema schon die Arbeitgeber beschäftigte; BBC oder die von Moos Stahl AG hätten eigene Mitarbeitersiedlungen gebaut. Den Fachkräftemangel sieht er vor allem als demografisches Problem. Es gebe heute weniger junge Leute bei viel mehr neuen Berufsbildern. «Hier oben haben alle das gleiche Problem, ob Hotel oder Handwerksbetriebe.»

Welche Rolle spielt der Ort Zermatt in den beiden herausfordernden Feldern? Ist es noch immer eine Wunschdestination? «Klar, Zermatt ist abgeschlossen », analysiert Codina, «viele wollen in die Stadt. Andere schätzen hier das andere Angebot als in Zürich. Es gibt eben verschiedene Lebenspläne. » Und die Berge, welche Rolle spielen sie? Für ihn sind die Berge nicht entscheidend. Das sagt der Schaffhauser, der seit gut einem Vierteljahrhundert in Zermatt arbeitet und auf Gran Canaria Meeresluft mehr als nur geschnuppert hat. Für die Gäste ist das Matterhorn aber sehr wichtig. «Wir haben hier Leute, die mit Heli rund ums Matterhorn fliegen und sagen, ich war oben.» Das sei auch okay, denn «wir wollen nicht alle auf die Berge bringen.»


Dialog – BEAUSiTE und Matterhorn


Praktiker statt Akademiker
In die Hotellerie stieg Roman Codina quer ein, ohne familiäre Vorgeschichte. Er machte die naturwissenschaftliche C-Matur in Schaffhausen. «Danach hatte ich keine Idee, was ich beruflich machen wollte.» Betriebswirtschaft und Recht hatten bei ihm ein «gewisses Interesse» geweckt. Er besuchte ein paar Vorlesungen, ohne dass sie einen entsprechenden Motivationsschub verursacht hätten. Während Ferienjobs in Hotels hatte er von der Hotelfachschule gehört, was ihn an die Schweizerische Hotelfachschule Luzern SHL führte. Dort faszinierte ihn zunehmend das Hotel an sich; wie verschiedene Bereiche zusammenspielen müssen. In Luzern habe ihm damals die Praxisnähe mit den Praktika gepasst, im Gegensatz zur Akademisierung in Lausanne. Diese Entwicklung, die seit seiner Ausbildung weiter voranschritt, gefällt ihm nicht. Er fragt, wie viele Lausanne-Absolventen in der Hotellerie bleiben. Und ob es noch gelingt, den Nachwuchs langfristig für die Branche zu begeistern.

In seinen Fragen steckt Skepsis. Vielleicht sind es sogar mehr Antworten als Fragen. Dennoch, was ist für Roman Codina diese besondere Welt namens Hotel? Wikipedia definiert kühl, klipp, klar: «Beherbergungs- und Verpflegungsbetrieb für Gäste gegen Bezahlung». Der BEAUSiTE‑Direktor kommentiert und ergänzt: «Diese Beschreibung trifft es im Kern. Unsere Aufgabe ist es aber, daraus mehr zu machen – und die Erwartungen unserer Gäste nicht nur zu erfüllen, sondern im besten Fall zu übertreffen.»

«5 Sterne wollen wir nicht»
Der USP für das BEAUSiTE ist seit 1907 die Lage mit unverstelltem, freiem Blick auf das Matterhorn. Mit seinen 70 Zimmern sieht Roman Codina das Haus in der Schweiz als mittelgrosses Hotel. In der Aussenwahrnehmung, so der Direktor, sehe man es als Boutique-Hotel mit einem Service im oberen Segment. «Wir sind ein Vollservice- 4-Sterne-Superior-Hotel. Wir könnten 5 Sterne haben, wollen das aber nicht.» Zu Hotelsternen hat er ein zwiespältiges Verhältnis. Er erinnert sich an die Zeit, als er das Zermatter Hotel Omnia eröffnete. «Wir sind ohne Sterne gestartet.» Heute ist es ein 5-Sterne-Superior-Haus. «Sterne sind eine Orientierungshilfe, mehr nicht», sagt Codina.

Ein Hotel-Leben
Kein Thema ist für den Hoteldirektor das Thema Work-Life-Balance. «Ich habe schon Mühe mit dem Begriff.» Es sei schwierig, zu trennen, besonders als Hoteldirektor, der im eigenen Hotel wohnt. Im Lauf der Zeit habe er jedoch gelernt, sich freien Raum für Persönliches zu schaffen. Und nicht jedes E-Mail müsse sofort beantwortet werden. Einen festen Arbeitsplan hat er nicht. Sein Rhythmus folgt jenem des Hotels: «Ich richte mich nach den Bedürfnissen des Betriebs.»

Seine Ferien verbringt er gerne in anderen Hotels. Da versucht er gar nicht erst, Arbeit und Privates voneinander zu trennen. Reisen ist für ihn eine wesentliche Inspirationsquelle. Jedes Jahr besucht er bewusst 20 bis 30 Hotels, bevorzugt Neueröffnungen, meist für ein oder zwei Nächte. «Dann habe ich die neue Linie gesehen.» Und er stellt fest, dass Impulse heute nicht mehr unbedingt von 5-Sterne-Hotels ausgehen. Orte und inspirierende Termine im Jahreskalender sind für ihn auch Design-Messen oder die Christmasworld in Frankfurt.

Im Austausch mit Roman Codina gewinne ich, je länger wir miteinander reden, den Eindruck, dass für ihn wirklich stimmt, was er sagt: «Ich habe in unabhängigen Hotels meine Nische gefunden und fühle mich wohl dabei. Das Unternehmerische macht mir Spass. Dank der flachen Hierarchie sind schnelle Umsetzungen möglich.» Dann sagt er mit einer Prise Humor den vielleicht entscheidenden Satz, das Fundament für seine Zufriedenheit als Hoteldirektor: «Ein Hotel führen ist keine Raketenwissenschaft; man muss gerne reisen, essen und trinken.»

Das Schöne, Wahre, Gute

Was ist für Sie das Schöne?
Roman Codina: Ein Hotel hat viel mit Theater und Inszenierung zu tun. Es ist eine Bühne. Der Hoteldirektor ist dabei der Regisseur, nicht der Hauptdarsteller. Im Mittelpunkt stehen die Mitarbeitenden und die Gäste.

Was ist für Sie das Wahre?
Das Unmittelbare ist das Wahre. Vom Beruf her sieht man im Hotel das Resultat sehr schnell. Beim Gast 24/7 permanente Begeisterung zu erzeugen, ist fast unmöglich, ein hohes Ziel. Schön, wenn wir es ein paarmal erreichen. Das Wahrste, das wir erreichen können, ist, dass der Gast wiederkommt, weil er zufrieden war.

Was ist für Sie das Gute?
Dass ich in einer abwechslungsreichen Umgebung in der Ferienhotellerie arbeiten kann. Die Gäste kommen gerne hierher. Sie sollen sich hier nicht zu Hause fühlen, denn sie kommen ja extra, um hier etwas anderes zu finden.

 

 

Die Geschichte vom Hobby-Hotelbesitzer

Das BEAUSiTE ist seit den 1960er-Jahren im Besitz von zwei Zermatter Familien. Roman Codina legt Wert darauf, dass es sich nicht um einen Betrieb mit Mäzenen handle. «Investiert wird, was wir erwirtschaften. Das ist eine gesunde Entwicklung.» 

In seinem Berufsleben hat er als Hoteldirektor die ganze Bandbreite von Besitzerschaften kennengelernt: Echte Unternehmer oder solche, die sich ein Hotel als Hobby leisteten. Es gäbe den Trend, ein Hotel «haben» zu wollen. Wie eine solche Trendgeschichte ablaufen kann, schildert Roman Codina:

«Man hat einen Kollegen, der Architekt ist: Cool, wir bauen ein Hotel. Gegen Schluss, wenn das Gebäude fast fertig ist, sucht man einen Hotelier. Es ist der grösste Fehler, wenn man die Hotelfunktionalität nicht von Anfang an einbezieht. Die Eröffnung wird gross inszeniert. Später kommt dann ein neues Hobby hinzu. Das Hotel wird dem Family Office übergeben. Der Buchhalter rechnet und stellt fest, es rentiert nicht. Er fragt den Besitzer: Willst du dir das Hotel trotzdem leisten? Und dann verliert der Hobbyhotelbesitzer in der Regel das Interesse an diesem Hobby.»

Er erinnert sich an ein Projekt, bei dem er anfänglich am Rande involviert gewesen sei. Auf einer Insel sollte bei einem Hotel ein Ballsaal für 150 Personen gebaut werden. Die Motivation des reichen Mannes für den Bau – er wollte auf der Insel heiraten, ohne dass es dort die passende Lokalität gegeben hätte. Codina habe dann gefragt, ob es vielleicht keine solche Lokalität auf der Insel gäbe, weil es kein Bedürfnis sei. Danach ist Codina aus dem Projekt ausgestiegen.

«Ein Hotel ist immer ein Langzeitinvestment», sagt Roman Codina. Umso wichtiger sei es, die Wirtschaftlichkeit eines Projekts von Beginn an mitzudenken und sich eine grundlegende Frage zu stellen: «Was will ich wirklich?» Eine nüchterne Antwort darauf könne manche anfängliche Euphorie relativieren. Denn was heute als neues Hotelkonzept begeistert, muss sich langfristig auch wirtschaftlich bewähren.

Die Entwicklung oder die Transformation von Hotels ist eine Stärke von Roman Codina, wie sein beruflicher Werdegang belegt. In diesem Bereich habe er immer wieder Weiterbildungen in verschiedenen Spezifikationen gemacht, beispielsweise als Bauherrenvertreter. Fachliche Vertiefungen erachtete er als sehr wichtig. «Aber das Wesentliche für den Beruf als Hotelier habe ich an der SHL gelernt.» phg

Top & Flop

Roman Codina antwortet auf 7 Fragen von Hilmar Gernet



Welchen Platz bekommt der Einzelreisende im Speisesaal?
Wir behandeln ihn gleich. Wir setzen ihn wie Paare, Dreier-, Vierergruppen oder Familien. Wir machen keine Unterschiede.

Was ist das grösste Kompliment, das Sie von einem Gast bekommen können?
Wenn er wiederkommt. Das zeigt, dass wir seine Erwartungen erfüllt haben. Aber Zermatt ist für viele Gäste eine «once in a lifetime experience». Sie kommen nur einmal – und dann muss dieses eine Mal stimmen.

Ihre grösste berufliche Peinlichkeit?
Da gibt es bestimmt einige. Etwas Konkretes kommt mir aber gerade nicht in den Sinn.

Ist die Minibar im Hotelzimmer- Preis inbegriffen?
Für jene, die direkt buchen, ist die Minibar inbegriffen, ohne Alkohol.

Welches Buch aus der Hotelbibliothek haben Sie gelesen?
Für eine Bibliothek haben wir keinen Platz. Aber wir haben verschiedene Tageszeitungen. Die NZZ und den Walliser Boten lese ich täglich. Die Sonntagszeitungen sind für mich ein Ritual. Allerdings kann es manchmal bis am Donnerstag dauern, bis die NZZ am Sonntag gelesen ist. Dass sich jemand Gedanken gemacht hat, um in einer gedruckten Zeitung ein breites, interessantes Leseangebot zusammenzustellen, fasziniert mich.

Was wird in Ihrem Hotel am meisten mitlaufen gelassen/gestohlen?
Alles und nichts. Wir führen keine Statistik. Vieles ist begehrt. Das kann auch als Auszeichnung gesehen werden. Gebrandete Dinge werden als Souvenir mitgenommen. Bei anderen Sachen sehen wir es als Diebstahl. Manchmal verrechnen wir sie, beispielsweise bei einem Spiegel oder anderen Einrichtungsgegenständen. Oder wir stellen eine Verbindung zum Hersteller für eine Direktbestellung her.

Welche Gäste möchten Sie nie mehr in Ihrem Hotel?
Wer unsere Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter belästigt oder verbal beleidigt, den wollen wir nicht. Solche Dinge haben in den letzten Jahren zugenommen. Egal wo, ob im Zug, im Detailhandel oder im Hotel. Der Respekt ging verloren. Wir reagieren hier mit Nulltoleranz.

 

 

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