Als Gastgeberpaar des Valbella Resort in Lenzerheide ergänzen sich Ramona und Thomas Vogt perfekt. Während sie mit Empathie und Nähe führt, sorgt er für klare Strukturen und Prozesse. Sie verbindet die wertschätzende Führungskultur. So gehört für sie ein ehrliches «Danke, gut gemacht» zum Team-Alltag.
Hilmar Gernet
Ein Biker sitzt auf einer Bank und ist in sein Handy vertieft. Hose, Shirt, Schirmmütze – entspannt. Thomas Vogt grüsst ihn auf unserem Rundgang durch das Valbella Resort kurz, kollegial und wir gehen zügig weiter. Auf den ersten Blick hatte ich ihn nicht erkannt. Nino Schurter. Zehnfacher Cross-Country-Weltmeister, Besitzer eines kompletten olympischen Medaillensatzes (2016 Gold), neunfacher UCI-Mountainbike-Weltcup-Sieger. Und jetzt sitzt er hier im Valbella Resort. Heute ist er das Aushängeschild für die Scott Bikes. Ihr Experte. Ihre Legende. Ihr Motivator für die Scott-Bike-Verkäufer auf der ganzen Welt. Während fünf Wochen sind diese länderweise für einige Tage zum globalen Marketing- und Einkaufsevent der Firma ins Valbella Resort eingeladen. Sie löchern die Bike-Entwickler mit ihren Fragen, diskutieren die neuen Details, testen die neuen Maschinen im Gelände vor Ort.
Ein riesiger Anlass im Verborgenen und mit zahlreichen Sicherheitsvorkehrungen und Überwachungsmassnahmen, die Thomas und Ramona Vogt für den unsichtbaren Riesenevent organisieren mussten. Denn die neuen Bikes in der Ausstellung sind millionenschwer. Bescheiden erzählt Thomas vom tollen Event. Innerlich, so meine ich, brennt der ambitionierte, begeisterte Hobby-Biker für seinen Anlass und diesen Sport. Seit Jahren engagiert er sich hoch motiviert für den Anlass, auch wenn er den Ertrag für das Valbella Resort nur minim über den Kosten – «ein willkommener Deckungsbeitrag in der Sommer-Vorsaison» – situiert. Die kleine Episode könnte für seine Hotel-Philosophie stehen – Begeisterung und Business.

Das Valbella Resort in Lenzerheide ist unter Ramona und Thomas Vogt stark gewachsen und trotzdem eine Einheit geblieben.
Der Anruf
Thomas Vogt erhielt im Frühjahr 2001 einen Anruf, der seiner noch ungeplanten Karriere plötzlich eine Richtung gab. «Ich war damals F&B-Manager im Suvretta House in St. Moritz. Dann rief Ernst Frauchiger an und sagte: Sie müssen das Valbella Inn übernehmen. Am 1. Mai 2001 ging es los.» Das Valbella Inn war damals mit 45 Zimmern und rund 45 Mitarbeitenden ein über schaubares Haus. «Das Hotel war hervorragend positioniert und extrem gut ausgelastet», erinnert sich Thomas. «Nur, Eigentümer und Patron Frauchiger konnte nicht loslassen. Er sass bei den Kadersitzungen dabei, kommentierte alles – von der Geschäftsführung bis zu den Bergbahnen der Region. Wir hatten die Verantwortung, ohne Unterschriftskompetenz.» Aus dem Nachbarhaus, wo er sein Büro eingerichtet hatte, behielt er vieles im Blick. Sah er von dort aus ankommenden Gästen zu, folgte oft ein telefonischer Hinweis zur Historie des Gastes und wie man ihn zu behandeln habe.

Draussen wie drinnen: Das Resort bietet Landschaften aller Art.
Ohne Masterplan
Nach und nach gewannen Ramona und Thomas Vogt den Freiraum, ihre eigenen Ideen umzusetzen und dem Betrieb ihre persönliche Handschrift zu verleihen. Der Erfolg bestätigte ihren Kurs. Den entscheidenden Wendepunkt markierte das Jahr 2008. Gemeinsam mit der dänischen Lego-Besitzerfamilie Kristiansen bot sich die Möglichkeit, das Hotel Valbella Inn zu übernehmen und gemeinsam weiterzuentwickeln. «Eigentlich hatten wir gar keinen Masterplan», sagt Thomas rückblickend. «Wir investierten in die Küche, ins Kinderland, später in den Wellness-Turm, zusätzliche Zimmer und den Garten. Der Plan ergab sich Schritt für Schritt.» Dass grosse Investitionen nur möglich waren dank der Eigentümer-Familie im Hintergrund, versteht sich. Als Mäzenatentum sieht dies Thomas allerdings nicht: «Die Zahlen aus dem Betrieb müssen stimmen. Und sie stimmen.»
Mit jedem Ausbau wuchs das Resort weiter. Aus 45 Zimmern wurden zunächst 80, mit dem Kauf des Nachbarhotels waren es dann rund 120 Zimmer mit insgesamt 380 Betten. «Plötzlich waren wir eines der grössten Seminarhotels der Region», erzählt Thomas. «Damals machten wir praktisch alles selbst: Buchhaltung, Marketing, HR und Gästebetreuung. Irgendwann aber funktionierte das mit einer hemdsärmeligen Führung nicht mehr.»
Kurzzeitig führten sie eine Geschäftsleitung ein, die bald wieder abgeschafft wurde. Seit Jahren arbeiten Thomas und Ramona Vogt nun mit einem Kernkader von Bereichsverantwortlichen. Zu delegieren, Entscheidungskompetenz abzugeben, so sagen sie, mussten sie lernen. Als enorm wichtig erachten sie es, für die geleistete Arbeit und den Einsatz Wertschätzung zu zeigen. Wie beispielsweise mit einer Weinreise ins Bordeaux. Ramona beschreibt ihre Führungsphilosophie kurz und klar: «Wir führen das Hotel, als wäre es unser eigenes. Gleichzeitig gibt uns die Besitzerfamilie Kristiansen den Rückhalt und das Vertrauen, auch langfristig und mit Weitblick zu denken.» Und Thomas ergänzt: «Man merkt auch jetzt mit 55 noch, dass man nicht alles kann. Ein Hotel dieser Grösse führt niemand allein.»

Sieben Kräne
Mut verlangte der grosse Umbau 2022. «Sieben Kräne standen gleichzeitig auf der Baustelle. Corona, Fachkräftemangel und gestiegene Materialpreise haben dazu geführt, dass der Umbau einiges mehr gekostet hat als geplant.» Heute zählt das Valbella Resort mit rund 360 Betten zu den grösseren Hotels im Kanton Graubünden.
Aufwand und Anstrengung haben sich gelohnt, das Resultat überzeugt sie und die Gäste in allen Facetten. Am überzeugendsten lässt sich mit den knapp über 57 000 Logiernächten (Geschäftsjahr 2025/26, Auslastung: Sommer 58 %, Winter 71 %) belegen. Dabei kommen gut 83 % der Gäste aus der Schweiz. Die nächstgrössere Gästegruppe kommt aus Deutschland (7,8 %), während die Herkunft aller übrigen Gäste sich zwischen 0,16 % (Übersee) und 1,8 % (Niederlande) bewegt. Auch wenn die ausländischen Gästezahlen sich positiv entwickeln, so haben Thomas und Ramona das ambitionierte Ziel, die Internationalisierung voranzubringen. Bis ins Jahr 2030/31, so ihr Plan, soll die Sommerauslastung auf 65 % gesteigert und das Winterziel bei 75 % erreicht werden.
Grüezi beim Ade
«Bei uns gibt es noch Raum für eine qualitativ hochwertige Weiterentwicklung. Overtourism ist in der Lenzerheide kein Thema – deshalb können wir mit Weitblick wachsen, ohne die Qualität aus den Augen zu verlieren», sagt Thomas. «Gleichzeitig brauchen wir zusätzliche Märkte, damit sich insbesondere die Wintersaison über den März hinaus verlängert.» Bei allen Ambitionen wollen Thomas und Ramona Vogt als Gastgeber die persönliche Atmosphäre bewahren. «Wir wollen unsere Gäste kennen», sagt Ramona. «Das ist bei vollem Haus nicht einfach. Weil Thomas und ich uns als Gastgeber auf unsere beiden Restaurants aufteilen, gelingt es, neunzig Prozent unserer Gäste persönlich zu kennen und praktisch alle auch persönlich zu verabschieden.» «Allerdings», das fügt Ramona ehrlicherweise bei, «ganz selten kommt es vor, dass wir bei der Verabschiedung eines Gastes Grüezi sagen».
Hotel, Privat und Du
Privat und Hotel lassen sich bei Familie Vogt kaum trennen. «Wir wohnen nur 300 Meter vom Hotel entfernt», erzählt Ramona, was sie sehr schätzt. «Ich habe immer hundert Prozent gearbeitet, aber die Familie mit den beiden Töchtern hatte Priorität. Bei Thomas hatte eher das Hotel Priorität.» Schmunzelnd ergänzt Thomas: «Oft habe ich das Gefühl, die Gäste möchten mich sehen – wahrscheinlich ist mir das aber wichtiger als ihnen.» Gleichzeitig habe er gelernt, Verantwortung abzugeben und Vertrauen zu schenken: «Seit das Resort so gewachsen ist, können wir nicht mehr alles selbst wissen und steuern.»
Ramona fällt das leichter. «Delegieren ist für mich nicht schwierig. Wir brauchen starke Stellvertretungen. Aber unsere Türe steht für alle Mitarbeitenden offen.» Dazu sagt Thomas: «Wir wollen den Mitarbeitenden mindestens so nahe sein wie unseren Gästen». So wurde das Du mit den Mitarbeitenden im Valbella Resort offiziell eingeführt. Als er von dieser Kulturentwicklung erzählt, lacht Thomas: «Bis vor drei Jahren waren wir per Sie. Unsere Mitarbeitenden waren untereinander schon längst per Du – nur mit uns noch nicht.» Diese Normalität war der vermeintlichen Kulturwende bereits vorausgegangen und warf auch keine Wellen.


«Immer leicht überfordert»
Mit dem Wachstum veränderte sich auch die Führungskultur. «Partizipativ zu führen war uns immer wichtig, aber das sagen ja alle», erläutert Thomas. «Aber mit 150 Mitarbeitenden und einem Umsatz von über 18 Millionen Franken müssen Strukturen und Organisation klar sein.» (In den nächsten Jahren, so hält es der Geschäftsbericht 2024/25 fest, will das Valbella Resort die 20‑Millionen-Marke erreichen.) Gesetzliche Anforderungen, Brandschutz, Hygiene oder Krisenvorsorge seien heute ebenso wichtige Führungsaufgaben wie die eigentliche Gastfreundschaft. «All diese Themen beschäftigen uns sehr. Wir wollen dort ständig besser werden.» Beide erleben ihren Beruf als ständiges Lernen. «Man ist eigentlich immer leicht überfordert. Es kommen ständig neue Herausforderungen. Man muss sich laufend weiterentwickeln». So wird seine Erfahrung zum realitätsnahen (nicht nur Hotelier-)Lebensprinzip.
Von einem akuten Fachkräftemangel können Ramona und Thomas Vogt im Valbella Resort nicht sprechen. «Wir finden gute Leute. Entscheidend ist für uns, Mitarbeitende zu gewinnen, die unsere Werte mittragen», sagt Thomas. «Unsere Grösse schafft auch Ressourcen. Wir konnten Abteilungen aufbauen, ein Personalhaus schaffen und haben professionelle Führungsstrukturen, was Kader und Mitarbeitende schätzen.» Bei der Rekrutierung entscheidet für Ramona weniger der Lebenslauf als die Persönlichkeit. «Es ist ein Bauchthema. Passt jemand oder nicht? Ob man den Teller von rechts oder von links serviert, ist nicht so wichtig. Hauptsache, man lächelt dabei. Charme und Empathie sind entscheidend.» «Was nützt das schönste Haus ohne Seele?», meint Thomas.
Ihre unterschiedlichen Stärken verstehen die beiden als grossen Vorteil. «Thomas bringt die Strukturen und die Klarheit, ich eher die Empathie und das Gespür für Menschen», beschreibt Ramona ihre Rollenverteilung. Thomas: «Danke sagen und Wertschätzung zeigen, das ist das Allerwichtigste. Früher habe ich das kaum gehört. Heute weiss ich, wie wichtig dieses menschliche Bedürfnis ist.» Diese Kultur lebe auch die Besitzerfamilie vor. «Sie bedanken sich bei uns und zeigen Wertschätzung für unsere Arbeit.»

Allen Gästen, ob gross oder klein, wird optimaler Genuss serviert.
Die Sterne …
Das Valbella Resort ist als 4-Sterne-Superior-Haus klassiert. Geht man durch das Hotel, sieht man alles auf 5-Sterne-Niveau – ausser die dafür verlangten Preise. Das entspricht dem Anspruch von Ramona und Thomas Vogt, ohne dabei überambitioniert zu wirken, im Gegenteil. Das sei in einem Haus, das sich als Familienhotel positioniert – im Winter sind vier Kindergärtnerinnen für die Kids da – nicht anders möglich. Kulinarisch verfolgt das Hotel bewusst keinen «Extremkurs – ein Gourmet-Restaurant zu werden, ist nicht unser Ziel.» Aber man hat auch da den Eindruck, dass sie es schon sind …
Hotelier + Familienmensch
Dass beide seit über 25 Jahren gemeinsam arbeiten und als Ehepaar leben, funktioniere wegen einer klaren Rollenverteilung, erklären sie. Ramona sagt: «Thomas ist mehr Hotelier. Ich bin mehr Familienmensch. Mein Ziel ist es, Harmonie zu erreichen. Es soll allen gut gehen. Dazu gehört für Thomas der Sport, das ist für ihn Ausgleich. Wenn Thomas eine Stunde aufs Velo kann, sage ich nie nein. Aber er fragt immer», erzählt Ramona lachend. «Sonst wird er unerträglich.» Thomas nickt. «Wir ergänzen uns einfach. Wir hatten anfänglich keinen Plan. Wir sagten einfach, du löst dieses Problem, ich jenes.» Heute können sich beide auch einige Tage aus dem Betrieb zurückziehen. «Das war früher kaum möglich», sagt Thomas.

Stammgäste, Freunde, Freizeit
Aus vielen Stammgästen sind Thomas und Ramona im Laufe der Jahre auch Freunde geworden. Man merke, «wenn Energie fliesst». Weiter philosophiert Ramona: «Freundschaften muss man pflegen wie eine Ehe. Ich melde mich bewusst immer wieder bei den Leuten, die mir wichtig sind. Sonst versanden Beziehungen.» Thomas erlebt das ähnlich. «Ich bin mit dem Hotel gewachsen. Es ist faszinierend, was man alles erlebt und hört. Mit einigen Gästen machen wir Sport oder unternehmen etwas gemeinsam. Wenn man solche Freundschaften nicht zulässt, verliert man vielleicht genau jene Menschen, die einem im Leben wichtig wurden und werden.» Hotel und Privatleben verschmelzen zwangsläufig. «Das Hotel rekrutiert auch Freundschaften», sagt Thomas.
Auch in den Ferien bleiben Ramona und Thomas Vogt Hoteliers. Sie reisen unglaublich gerne, hätten dabei jedoch immer die «Hotelier-Brille» auf. Ob Luxusresort in Dubai, Familienhotel oder Campingplatz – Inspiration findet das Hotelier-Ehepaar überall. Einmal hätten sie gemeinsam mit ihren beiden Kindern acht Hotels in zwei Wochen besucht. Den Austausch mit Berufskollegen erachten die beiden als besonders wertvoll. «Wir sprechen sehr offen miteinander – auch über Zahlen. Das ist spannend», konstatiert Thomas. Ramona beschreibt es so: «Manchmal kommen wir nach Hause und stellen fest: Vieles von dem, was wir tun, funktioniert.»


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DAS SCHÖNE, WAHRE, GUTE Was ist für dich das Schöne? Ramona: Eine Mischung aus Natur, Ruhe und schönen Dingen. Gastfreundschaft und liebevoll gestaltete Details. Thomas: Die Situation, wie wir sie heute haben, mit allem Drum und Dran. Das ist schön. Das finde ich einfach cool. Was ist für Dich das Wahre? Ramona: Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Vertrauen und ein gutes Buch. Thomas: Das ist fast schon eine philosophische Frage. Ich bin eher der handfeste Typ. Wahr sind für mich gute Freundschaften – und ein schönes Velo. Was ist für Dich das Gute? Ramona: Eine schöne Reise. Das gehört zu unserem Metier und bereichert uns jedes Mal aufs Neue. Thomas: Unser Beruf. Und – da hat Ramona recht – ein gutes Glas Wein. |
Vergleichen hilft
Offenheit ist den beiden aber nicht nur auf Reisen wichtig, sondern auch im heimischen Umfeld. Für sie ist es ein Zeichen des kollegialen Vertrauens, wenn man sich mit den Hoteliers, die im gleichen Markt tätig sind, austauschen kann. Die Vergleiche würden Benchmarks liefern, die Ansporn und Bestätigung gleichzeitig sein könnten. Mir ergibt sich der Eindruck, dass den beiden, die familiär ohne Bezug zur Hotellerie aufgewachsen sind, diese Offenheit wirklich wichtig ist. Daraus ziehen sie Kraft, Sicherheit und Inspiration. Er ist in Meiringen geboren, machte die Kochlehre im Valbella Inn, im Vorgängerhotel des Hauses, das er heute führt, absolvierte die Hotelfachschule Zürich, danach durchlief er verschiedene berufliche Stationen in der Schweiz. Sie kam nach ihrer Hotelausbildung in Deutschland 1991 in die Schweiz und sammelte anschliessend im Engadin und im Tessin berufliche Erfahrungen.
Beständigkeit ohne Visionen
Das Heute wird von dynamischen Entwicklungen geprägt. Dennoch spricht Thomas weniger von Visionen als über Beständigkeit, wenn er in die nähere Zukunft und die des Hotel-Unternehmens nachdenkt. «Manchmal denke ich, wir sollten Ruhe und Stetigkeit suchen. Natürlich gehören Investitionen und Unterhalt dazu, genauso wie Software oder Führung. Aber irgendwie kommt man damit nie an ein Ende.» Der viel zitierte Satz «Image ist wichtiger als Umsatz», überzeugt Thomas nicht. Für ihn gehören eine starke Marke, zufriedene Gäste und wirtschaftlicher Erfolg untrennbar zusammen. Das ist wohl die Hotel-Vision überhaupt.
Ramona sieht es ähnlich. «Wir brauchten nie den einen grossen Plan. Wir hatten von Anfang an Freude an dem, was wir tun, und haben unseren Weg Schritt für Schritt weiterentwickelt. Man kann nicht jedes Jahr erwarten, noch mehr Umsatz zu erreichen und immer weiter zu wachsen. Irgendwann geht es auch darum, dankbar zu sein für das, was man erreicht hat, und den Erfolg bewusst wahrzunehmen.»
Ganz ohne Träume ist aber auch Ramona nicht. «Ein kleines Haus mit vielleicht zwanzig Zimmern irgendwo in der Provence oder im Bordeaux wäre schön. Einfach Gastgeber sein, ein Boutique-Hotel schön einrichten, mit den Gästen plaudern.» Um dann gleich wieder in die reale Welt zurückzukehren: «Ich weiss natürlich, wie viel Arbeit so ein Anwesen macht.»
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TOP & FLOP – SIEBEN FRAGEN AN RAMONA UND THOMAS VOGT
Welchen Platz bekommt der Einzelreisende im Speisesaal des Valbella Resorts?
Ramona: Möglichst mitten unter den Leuten. Wir überlegen jeweils, wer gut zusammenpassen könnte, ob sich vielleicht ein schönes Gespräch ergeben könnte.
Thomas: Das hängt stark vom Gast ab. Manche Alleinreisende suchen bewusst Ruhe, andere möchten Kontakte knüpfen. Heute ist das Thema etwas einfacher geworden, weil wir mit Tischreservationen sehr flexibel reagieren können.
Was ist das grösste Kompliment, das Sie von einem Gast erhalten können?
Ramona erinnert sich an einen besonderen Augenblick: «Bei einem Stammgast- Wochenende stand ein Gast unvermittelt auf und richtete eine sehr emotionale Dankesrede an uns und unser gesamtes Team. Diese Momente sind es, die bleiben.»
Thomas: Wenn jemand sagt: Ihre Mitarbeitenden sind unglaublich freundlich. Das freut mich am meisten.
Ihre grösste berufliche Peinlichkeit?
Ramona: Wenn sich ein Gast beschwert und aus Gewohnheit die Antwort kommt: Ja, wir kennen das Problem, ist das unglücklich formuliert. Beim Gast kann der Eindruck entstehen: Wenn das Problem bekannt ist, warum wurde noch nichts geändert? Besser ist es, aufmerksam zuzuhören, sich zu bedanken und zu sagen: Danke, dass Sie uns darauf aufmerksam machen. Wir kümmern uns darum.
Thomas: Kleine Peinlichkeiten passieren immer wieder. Bei einem Haus dieser Grösse gehört das fast dazu. Einen grossen Fauxpas habe ich jetzt gerade nicht im Kopf.
Ist die Minibar im Zimmerpreis inbegriffen?
Ramona: «Ja, es wirkt grosszügig. Alkohol gehört allerdings nicht dazu.»
Thomas: «Ja, schon lange. So sparen wir uns beim Check-out die unnötigste aller Fragen.
Welches Buch aus Ihrer Hotelbibliothek haben Sie selbst gelesen?
Ramona: «Alle. Ich lese sehr gerne. Bücher gehören für mich einfach dazu. Gerade im Zeitalter der KI hoffe ich sehr, dass Lesen und Schreiben ihren Wert behalten.
Thomas: Ein paar, schliesslich stammt ein Teil der Bücher aus unserem eigenen Bestand, den wir selbst gelesen haben.»
Was wird am häufigsten unrechtmässig aus dem Hotel mitgenommen?
Ramona: Diebstähle sind zum Glück selten. Am ehesten fehlen Kaffeelöffel. Einmal hat allerdings eine Familie fast alles mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest war. Wir haben ihnen dafür die Rechnung geschickt. Nach einigem Hin und Her haben sie diese schliesslich bezahlt.
Thomas: Ab und zu verschwindet eine Wellness-Tasche oder ein Regenschirm. Das sehen wir aber entspannt; denn es ist eigentlich Werbung für unser Haus, wenn sie es weiter benutzen.
Welche Gäste möchten Sie nie mehr in Ihrem Hotel begrüssen?
Ramona: Ja, es gibt solche Gäste, die Mitarbeitende beleidigt haben oder sogar handgreiflich geworden sind. DievOnlinebuchungen machen das jedoch schwieriger, da man viele Gäste vorher gar nicht kennt. Auch Gäste, die mit schlechten Bewertungen drohen, sind schwierig. Vieles kann man nicht mehr diskutieren und klären, gerade wenn es sich um Missverständnisse handelt.
Thomas: Für Diebstahl im Shop, für Externe, die unseren Wellness-Bereich nutzen oder für Gäste, die unsere Mitarbeitenden beleidigen, habe ich überhaupt kein Verständnis. Solche Gäste möchte man nicht wiedersehen. In der Praxis ist es allerdings oft schwieriger als man denkt, konsequent zu sein.
