Astrid von Stockar, VR-Präsidentin – zu Sein und Werden im Hotel Chesa Grischuna, Klosters

Astrid von Stockar, VR-Präsidentin – zu Sein und Werden im Hotel Chesa Grischuna, Klosters

Astrid von Stockar und ihr Mann sind seit 2022 Eigentümer des Chesa Grischuna in Klosters. Bekannt als «Hollywood on the Rocks», wollen sie ihrem Hotel «Ewiges Leben» einhauchen und es fit für die Zukunft machen. Überraschend müssen sie dafür einen neuen Hoteldirektor finden.

Interview Hilmar Gernet

Was ist typisch am Hotel Chesa Grischuna? Es ist ein legendäres Bündnerhaus aus den 30er-Jahren und ein Gesamtkunstwerke an heimischer Handarbeit, Design und Kunst. Von den Tischdecken, dem Geschirr, allen Holzschnitzereien, den schmiedeeisernen Türbeschlägen und Lampen, über die Tische, Stühle und Betten bis hin zu den bemalten Aschenbechern. Jedes Detail wurde eigens für das Haus entworfen und von einheimischen Handwerkern angefertigt!

 

 Für Astrid von Stockar folgt eine Herausforderung auf die andere.

 

Was unterscheidet Ihr Hotel von anderen Hotels?
Es ist das jüngste unter Denkmalschutz stehende Hotel der Schweiz, das mit Wandmalereien berühmter Schweizer Künstler, wie Alois Carigiet, ausgestaltet wurde und von berühmten internationalen Gästen als ihr zweites Zuhause bezeichnet wird. Unser Gästebuch liest sich wie ein «Who’s Who» des europäischen Hochadels, gekrönter Häupter, Industrieller und Filmstars. Klosters bekam in den 50er-Jahren den Übernamen «Hollywood on the Rocks», weil so viele Hollywoodstars in der Chesa Grischuna wohnten. Greta Garbo wurde beim Kopfstandmachen auf dem Holzbalkon fotografiert. Audrey Hepburn war auf der Hochzeitsreise mit Mel Ferrer da. Rita Hayworth heiratete in der Chesa. Der häufige Gast Gene Kelly steppte auf dem Bartresen und diesen Januar besuchte uns Orlando Bloom mit seiner neuen Flamme. Er filmte sogar den Oberkellner beim Crêpes-Suzette-Flambieren und stellte es als Story auf Instagram.

Was ist in der Chesa Grischuna anders als vor ein, zwei Jahren?
Alles, was wir an der Chesa verändern, muss so aussehen, als sei es schon immer da gewesen. Wir haben kürzlich die in den 80er-Jahren angebaute Rezeption in eine Lounge verwandelt, mit englischem Tweed-Stoff an den Wänden, einer geschnitzten Holzdecke und niederen, kleinen Sesseln in Anlehnung an die 30er-Jahre. Im Treppenhaus haben wir auf einem Zwischenstock Platz für den Einbau der wohl kleinsten Hotelsauna der Schweiz mit Blick in die Berge gefunden. Die Gäste können sie zimmerweise belegen und sie ist im Winter und Sommer sehr beliebt. Obwohl wir die alte Bergeleganz wieder auferstehen lassen wollen, bleiben wir nicht beim Komfort von früher stehen. Jedes Zimmer hat sein eigenes Bad und alle «historischen» Betten wurden mit herrlichen Boxspringmatratzen ausgestattet.

Was wird es im Hotel Chesa Grischuna nie oder nie mehr geben?
Plastik! Weder plastifizierte Seiten in der Menükarte noch hässliche Plastikstühle, Duschvorhänge oder Schreibunterlagen in Plastik. Wir haben als Erstes mit Leinenstoff bezogene Menükarten anfertigen lassen, in die man einzeln austauschbare, bedruckte Papierseiten einklemmen kann. Dann haben wir alle Duschvorhänge verbannt und Glaswände eingebaut. In den Zimmern wurden alle Schreibtischunterlagen in Plastik durch solche in Leder ersetzt. Man sieht zwar jeden Teebecher, der darauf abgestellt wurde, aber das gehört zur charmanten Patina des historischen Hauses.

Was planen Sie für Ihr Hotel in den nächsten ein, zwei Jahren?
Die Liste an kleinen Details ist lang, aber das Wichtigste wird der Neubau des durch einen Tunnel mit der Chesa verbundenen Personalhauses sein. Dort wird unter anderem ein neuer Gästetrakt entstehen. Gleichzeitig muss die neben dem Tunnel liegende historische Kegelbahn mit wunderschönen Wandmalereien restauriert werden. 

Was ist ein Wunsch, den Sie in oder mit Ihrem Hotel realisieren möchten?
Mein Mann und ich arbeiten seit der Übernahme am 1. November 2022 eine lange Wunschliste ab. Der Hauptwunsch ist wohl, dass wir unserem wunderschönen Haus ein Ewiges Leben einhauchen und es fit für die Zukunft machen. Wir arbeiten daran, das Haus finanziell unabhängig von uns zu machen und alle zukünftigen Investitionen vollständig durch die Einnahmen aus dem Hotelbetrieb zu decken. Unser Hauptwunsch ist glücklicherweise in greifbarer Nähe.

Gibt es in Ihrem Hotel etwas, das immer bleiben wird oder bleiben soll, wie es ist?
Jeder Gast soll immer in die Chesa nach Hause kommen und seine Lieblingsdetails unverändert wiederfinden und auch Neue entdecken.

Der General Manager Ihres Hotels, Constantin Ziegenhain, ist vom Andrin-Willi-Hotelrating Schweiz als «Newcomer des Jahres 2026» ausgezeichnet worden. Als Newcomer die richtige Person, um Ihre Strategie für das Hotel Chesa Grischuna umzusetzen?
Um als Newcomer ausgezeichnet zu werden, bedarf es einer Symbiose aus einem Hotel mit Geschichte, einer grosszügigen Eigentümerschaft und einem jungen Talent. Die Auszeichnung war perfekt, um die Fähigkeit von Constantin Ziegenhain zu würdigen: ein legendäres Haus mit seinen speziellen Gästen und dem langjährigen Personal mit einer natürlichen Leichtigkeit zu übernehmen und eine Zeitlang erfolgreich weiterzuführen. Wir hätten uns natürlich gewünscht, dass er uns länger als nur zwei Jahre begleitet. Aber das «New» in der Auszeichnung Newcomer war wohl zu lockend und er hat eine neue Herausforderung mit unternehmerischer Beteiligung in seiner Heimatstadt München angenommen. Wir wünschen ihm dafür alles Gute als Unternehmer. Unsere Strategie wird aber sicher ebenso erfolgreich vom nachfolgenden Hoteldirektor der Chesa umgesetzt werden. Mittlerweile spüren mein Mann und ich sehr gut, wer das Feuer für die Chesa weitertragen kann.

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