Was tun Sie gegen Langeweile?
Ganz ehrlich: Ob im Hotel oder zu Hause, ich kann mich nicht daran erinnern, überhaupt einmal Langeweile empfunden zu haben. Ich versuche mir aber gerade vorzustellen,
wie sich dieser Zustand wohl anfühlt. Gut, denke ich.
Was macht Sie glücklich?
Vieles. Wenn es durch mein Dazutun anderen Menschen – Familie, Freunde, Gäste – gut geht. Weiterentwicklung, sei es in unseren Betrieben oder bei jungen Menschen. Insbesondere auch unsere Kinder. Und dann natürlich die Natur; bei uns im Engadin eine der Schönsten. Diese Berge, diese Seen, dieses Licht.
Was macht Sie traurig?
Eine gewisse Ohnmacht, das weltpolitische Geschehen nicht beeinflussen zu können. Gräueltaten, die sich wiederholen. Schicksalsschläge. Ungerechtigkeit, Unfreundlichkeit, Unehrlichkeit.
Was war Ihr grösster Erfolg?
In einer sehr herausfordernden Lebensphase nicht aufgegeben und der Zukunft eine Chance gegeben zu haben. Viele kleine Erfolge durfte ich an der Seite meines Mannes durch Mut, Ausdauer und Vertrauen erfahren. Und schlussendlich hatte ich in meinem Leben einfach viel Glück, wertvolle Wegbegleiter sowohl privat wie geschäftlich, was massgeblich zum Gelingen beitrug.
Welches war der grösste Flop?
Uii ... da gibt es einige. Zum Beispiel «Fehleinkäufe». Nur weil ich plötzlich Salzsteinlampen als «das» en-vogue Hotelzimmer-Accessoire überhaupt empfand, gab es eine Massenbestellung trotz Intervention meines Mannes. Bereits der erste Gast in der neuen Saison bat das Housekeeping, dieses komische orange Licht aus seinem Zimmer zu entfernen. Jahre später versperren zig unbenutzte Salzleuchten immer noch einen Lagerraum.
Ihr Leitspruch fürs Leben?
«Don’t Quit» – das Gedicht von Edgar Albert Guest.
Ihre Lieblingsfarbe?
Keine bestimmte. Je nach Anlass, Stimmung, Jahreszeit. Und natürlich je nach Mode … Mit dem spannenden Thema «Farbpsychologie» möchte ich mich schon lange tiefer befassen. Da geht es ja nicht nur um die Beeinflussung der menschlichen Wahrnehmung, Emotionen und des Verhaltens durch Farben, sondern auch um Design, Marketing und Architektur. Das Thema in der Hotelwelt.
Ihr Lieblingstier?
Unser Golden Retriever Joy – mittlerweile im Besitz unserer jüngsten Tochter – der uns jedoch mehrere Tage in der Woche im Büro zu Füssen liegt, wenn sie arbeitet.
Was tun Sie mit einem geschenkten Jahr?
Menschen und Hobbys Zeit widmen, die mir wichtig sind. Den Alltag achtsamer begehen. Keinen Outlook-Kalender nutzen. Was ich für «irgendwann» geplant habe, «jetzt» tun.
Welche drei Personen schätzen Sie besonders und warum?
Da kann ich nicht nur drei erwähnen. Es sind Personen, die mich durch Charisma, Grosszügigkeit, Weitblick und Gelassenheit beeindrucken, die sich immer treu geblieben sind. Menschen, die mich sowohl Berufs- wie Lebenserfahrung gelehrt haben.
Wo leben Sie am liebsten?
In den Bergen – im Engadin. Es bietet so viel Schönes. Die Gegensätze von Natur und internationalem Flair, Kultur, die Nähe zu Italien, das Wechselspiel von pulsierender Hochsaison und stiller Zwischensaison. Da fühle ich mich zu Hause und schätze das Vertraute, die Verlässlichkeit von Mensch und der System des Tales. So oder so bin ich gerne dort, wo auch meine Familie ist.
Welches ist Ihr Lieblingshotel und warum?
Einzigartige Häuser. Ob eine Berghütte, eine einfache Pension, eine Lodge, ein Château, ein neues Luxushotel … Mich sprechen Farben, Stimmungen, Stoffe, Möbel, Düfte, Accessoires und kleine Details, und freundliche Menschen an, welche diesen unterschiedlichen Herbergen Leben und Geborgenheit verleihen, egal wo auf der Welt.
Soll man später einmal etwas über Sie sagen?
Sagen nicht, dafür nehme ich mich zu wenig wichtig. Wenn eine positive Erinnerung oder eine angenehme Begegnung, ein gutes Gefühl zurückbleibt, ist das doch mehr wert als Worte.

Anne-Rose Walther
Die gebürtige Emmentalerin ist seit 1997 gemeinsam mit ihrem Mann Thomas Walther, den sie bei ihrem ersten Praktikum kennengelernt hat, in dritter Generation Gastgeberin und Besitzerin der beiden Hotels Walther und Steinbock in Pontresina. Anne-Rose Walther hat eine klassische Ausbildung in der Hotellerie absolviert und sich an Hotelhandelsschulen und Hotelfachschulen weitergebildet. Bevor sie ins «Walther» kam, sammelte sie Erfahrungen in St. Moritz, Lausanne, Bern, England, Mexiko und Gstaad. Das Ehepaar Walther hat drei erwachsene Kinder im Alter von 24 bis 27 Jahren.

2 Kommentare
Schönen Gruss, kann mich an euch erinnern, war mal im Belvedere für Familie Degiacomi tätig
Eine der besten Gastgeberinnen die ich kennenlernen durft. Herzlich, Menschlich, Erfolgreich.