Die Wäsche-Perle AG in Interlaken versetzt ihre Wäschetextilien mit einem RFID-Chip. Ein Einblick, wie diese Technologie den Lebenszyklus eines Textils beeinflusst und welche Vorteile für die Hotellerie entstehen.
Text: Lukas Röthlisberger
Schon in der Weberei war das Gerangel um die heiss begehrten Labels der SIGNATURE Wäsche gross. Wer so eins ergattert, ist nicht irgendein Handtuch, sondern wurde optimiert für Design, Funktionalität und Effizienz. Ich habe Glück und ich erhalte ein SIGNATURE Wäschelabel der Wäsche-Perle. Gleichzeitig erhalte ich noch so etwas Digitales mit … einen RFID-Chip, damit ich auch eindeutig und wirklich einzigartig unter all meinen gleichaussehenden Kollegen bleibe.
Kaum in der Wäsche-Perle angekommen, wird meine weltweit einzigartige RFID-Kennzeichnung mit dem System der Wäscherei bekannt gemacht. Von nun an bin ich erkennbar, man findet mich wieder in einem Berg anderer Handtücher. Nach einem Einweichbad über Nacht werden mir alle Appreturen der Herstellung ausgewaschen. Erst nach mehreren Waschgängen erhalte ich meine vorgesehene Grösse, und erst nach mehreren Saunagängen im Tumbler bin ich richtig flauschig. Anders als bei Menschen sind wir Textilien in unserer Jugend knitteranfälliger und weisen mehr Falten auf. Mit mehr Lebenserfahrung werden wir flexibler, feiner, glatter und weicher.
Nach diesem Wellness-Treatment bin ich bereit, zusammen mit vielen Kollegen und den grösseren und kleineren Artgenossen, für den Ersteinsatz. Im Bad werfe ich mich zuerst in Pose. Es funktioniert, ich werde von der Stange gezogen und kann entspannt die Feuchtigkeit auf der Haut des Gastes aufsaugen und ihm ein wohlig weiches Gefühl vermitteln.
Von meinen kleineren Artgenossen, den Gesichtstüchern, habe ich schon gehört, dass diese manchmal als Dankeschön einen Abschiedskuss kriegen – jedoch hoffentlich ohne günstigen Lippenstift – denn den wird man nur schwer wieder los.
Traurig werde ich auch, wenn Kollegen dazu verdonnert werden, Schuhe oder ein Bad zu putzen. Aber noch schlimmer ist es, wenn wir feucht, benutzt und fast ohne Sauerstoff liegen gelassen werden. Dann werden wir krank, es wachsen graue Schimmelpilze (Stockflecken) in unseren Fasern, die wir nie mehr wieder loswerden können.
Doch bei mir läuft zum Glück alles rund: Bald werde ich wieder von der Wäscherei abgeholt, wo mich erneut mein Wellness-Treatment erwartet. Hier wird professionell gearbeitet und die Waschprogramme werden von externen Gremien mehrmals jährlich geprüft, um den Anforderungen an hygienischer Aufbereitung gerecht zu werden. Hierfür gibts sogar ein Zertifikat. Danach bin ich wieder bereit für den nächsten Einsatz. So sammle ich fleissig Erfahrungen, die das RFID-System genaustens festhält.
Nach mehreren hundert Streicheleinheiten am Gast – sofern mich in der Zwischenzeit nicht ein tragisches Schicksal ereilt – und unermüdlichem Einsatz habe ich allmählich genug. Dank dem RFID-Chip wird der Hotelführung frühzeitig klar, dass ich bald in Rente gehen werde und ich durch ein neues Textil ersetzt werden muss.
Nun lockt der Ruhestand. Ein Teil von mir wird in recycelten Textilien wie der EASY–Serviette weiterleben. Vielleicht werde ich auch weiterverwertet als Putzlumpen, Dämmstoff, oder in Berufskleidern mit recycelter Baumwolle.


RFID kurz erklärt
RFID steht für «Radio Frequenz Identifikation ». Mit RFID lässt sich jedes einzelne Textil Nachverfolgen (Track and Trace). Ein Handtuch wird zu genau diesem Handtuch, eindeutig, einzigartig mit Lebensgeschichte. Es ist nachvollziehbar, wann es gekauft, wie oft es gewaschen oder wann es ins Hotel geliefert wurde. Und falls gewünscht: Wann vom Gast mitgenommen. Über Visualisierungen lassen sich diese Fragen einfach beantworten.
