Das Hotel Landgasthof Kemmeriboden Bad hat seine Energiebilanz erheblich verbessert. Durch die Nutzung von Abwärme mit der «eXergiemaschine» spart das Hotel jährlich Tausende Liter Heizöl, denn die Abwärme der Kälteanlagen liefert die Energie zur Warmwasserbereitung. Das Nacherhitzen mit der eXergiemaschine macht die Abwärmenutzung zudem effizienter.

Am 4. Juli 2022 liess ein Unwetter den Fluss Emme anschwellen; Wassermassen, Holz und Schlamm fluteten die Keller und schoben sich zerstörend durch die Erdgeschossräume und die Küche. Exakt ein Jahr später eröffnete das sanierte und modernisierte Hotel wieder.
Nach über einem Jahr Betriebserfahrung weiss die Hotelierfamilie Invernizzi, dass ihre neue Gebäudetechnik wie erwartet arbeitet. Sowohl die Energiekosten als auch die CO₂-Emissionen ihres Hotels Landgasthof Kemmeriboden Bad sind deutlich gesunken. Doch all das war Nebensache, als die Familie am 4. Juli 2023 verkündete: «Mir si zrügg!». Zurück nach einem Jahr des Wiederaufbaus und glücklich, ihr Hotel mit frischem Schwung und neuer Einrichtung wiedereröffnen zu können. Denn genau ein Jahr zuvor hatte ein Unwetter den nahe gelegenen Fluss Emme über die Ufer treten lassen und die gewaltigen Schlamm- und Wassermassen hatten fast alles zerstört, was sich in den Kellern und Erdgeschossen der Hotelgebäude befand.
Sanierung nach der Überflutung
«Unser Betrieb war sofort handlungsunfähig», erinnert sich Reto Invernizzi, der das Hotel gemeinsam mit seiner Frau führt. «Neben der Bausubstanz und der Inneneinrichtung war auch die Technik zerstört: unsere Küche, die Heizung, die Lüftung, die Wasser- und Abwasserrohre sowie die Elektrizität.» Das Ehepaar beschloss, die defekte Technik nicht eins zu eins zu ersetzen, sondern in bessere, klimafreundlichere Lösungen zu investieren. Heute wissen sie, dass sie ihr Geld gut investiert haben. Der Betrieb kommt jetzt mit weniger Energie aus und die Küche erlaubt ein effizienteres Arbeiten als früher.
Das Hotel Landgasthof Kemmeriboden Bad in Schangnau bietet 32 Zimmer, Seminarräume und ein Restaurant mit kreativer Küche.
Neue Kälte- und Wärmetechnik
Eine wichtige Investition war der begehbare Schockfroster. Er ermöglicht es dem Team, grössere Chargen vorzubereiten und die personellen Kapazitäten besser zu nutzen. Zur neuen Kältetechnik gehören auch Kühlräume und Kühlschubfächer in der Küche. Insgesamt sind im Hotel bzw. Restaurant 15 Kühl- und Kälteanlagen installiert. Neben den erwünschten niedrigen Temperaturen zum Einfrieren oder Lagern von Lebensmitteln produzieren sie auch bis zu 28 kW Abwärme bei etwa 35 °C. Diese Wärme wird jedoch nicht an die Umwelt abgegeben, sondern zur Warmwasserbereitung genutzt.
Aus Abwärme wird Nutzwärme
«Der Betrieb benötigt täglich etwa 5500 Liter Warmwasser», berichtet Oskar Widmer, Inhaber der Heiztechnik Widmer AG in Langnau. «Früher wurde Warmwasser ausschliesslich mit einem Öl-Brenner bereitet. Heute wird die Abwärme der Kälteanlagen mit etwa 35 °C in ein System von drei Heizspeichern eingekoppelt und von einer sogenannten eXergiemaschine auf die Zieltemperatur von 65 °C gebracht.» Widmer kennt die eXergiemaschine (eXm) durch die BMS-Energietechnik, von der er seit vielen Jahren Komponenten bezieht – darunter auch die neuen Warmwassererzeuger für das Hotel.
Anlagenschema
Temperatur-Booster «eXergiemaschine»
Die eXergiemaschine ist eine besondere Art der Wasser-Wasser-Wärmepumpe, die von BMS-Energietechnik in Zusammenarbeit mit ihrem deutschen Partnerunternehmen varmeco aus Kaufbeuren entwickelt wurde. Sie entnimmt einem Heizspeicher Wasser auf einem mittleren Temperaturniveau, erhitzt einen Teil davon und speichert ihn im heissen Bereich des Speichersystems wieder ein. Der andere Teil des Wassers wird gekühlt und im kühlsten Bereich des Speichersystems wieder eingebracht. So stellt die eXm im Hotel (hier eine 20-kW-Ausführung der eXm pro) einen heissen Vorlauf für die zwei Warmwassermodule bereit und sichert zugleich eine niedrige Rücklauftemperatur zu den Kälteanlagen. Im Gegensatz zur normalen Heizungswärmepumpe lassen sich bei der eXm die Heiz- und Kühlwirkung bzw. die Zieltemperaturen vorgeben, da sie über zwei getrennt regelbare Pumpen für ihren Hoch- und Niedertemperaturkreis verfügt.
Kostensenkung auf der Wärme- und Kälteseite
Widmer sagt zur Wirkung der Abwärmenutzung: «Durch den ganzjährig kühlen Rücklauf arbeiten die Kälteanlagen effizienter als bei einem Einsatz dachaufgestellter Verflüssiger. Das reduziert den Strombedarf. Die grössere Energieeinsparung ergibt sich jedoch auf der Wärmeseite, denn die eXergiemaschine stellt die Temperaturen für die Warmwasserbereitung klimafreundlicher und kostengünstiger bereit als ein Öl-Brenner.»

Die Heiz-, Klima- und Kältetechnik des Hotels hat durch die Sanierung an Effizienz gewonnen.
Hotel braucht deutlich weniger Heizöl
Mark Iten, Geschäftsleiter der Enova AG in Münsingen, hat überschlagen, wie viel günstiger die Lösung ist. Der technische Planer berät die Hoteliers bereits seit vielen Jahren. «Die Abwärme der Kälteanlagen wird nun konsequent genutzt, sodass nur ein Nacherhitzen erforderlich ist. Das allein spart eine Menge Primärenergie. Und den Temperaturhub von 35 auf 65 Grad Celsius erledigt die eXergiemaschine mit einem COP von etwa fünf, also viel effektiver als ein Brenner.» Für das Nacherhitzen von 64 000 kWh Wärme pro Jahr hat die eXergiemaschine daher nur etwa 13 000 kWh Elektrizität verbraucht. Der Strom wird im hoteleigenen Turbinenkraftwerk erzeugt oder als Ökostrom zugekauft, was einem Preis von ca. 4000 CHF entspricht. Für den Nacherhitzungsvorgang wären sonst 6400 Liter Heizöl für über 6000 CHF erforderlich gewesen. Dank der Abwärmenutzung waren 2024 jedoch nur ca. 700 Liter Heizöl zur Warmwasserbereitung nötig, die dazu dienten, Bedarfsspitzen zu decken. Insgesamt benötigt das Hotel 25 000 Liter Heizöl weniger pro Jahr, da neben der Warmwassertechnik auch die Heizungstechnik bei der Sanierung optimiert wurde. Parallel zur erzielten Öl- und Kosteneinsparung sinkt der CO₂-Ausstoss um etwa 67,5 Tonnen jährlich, was den umwelt- und klimabewussten Hotelbesitzern wichtig ist. Widmer berichtet: «Die Abwärmenutzung im Hotel Kemmeriboden passt perfekt. Die Abwärme der Kälteanlagen kann ganzjährig gut genutzt werden und muss nicht an die Umgebungsluft abgeführt werden. Und falls die Abwärmemenge doch einmal den Bedarf übersteigt, können wir mit Quellwasser einen Notkühler betreiben.»
Die eXergiemaschine
Bis 50 % Energieeinsparung durch Abwärmenutzung
Der Planer Iten hat die eXm im Zuge der Hotelsanierung kennengelernt und ist begeistert. «Das Einsparpotenzial ist enorm», sagt er. «Bei manchen Hotels bzw. Gastronomiebetrieben lassen sich 40 bis 50 Prozent Primärenergie sparen.» Voraussetzung sei natürlich, dass die Abnahme durch Wärmeverbraucher und das Abwärme-Aufkommen über das Jahr hinweg in ähnlicher Grössenordnung liegen. Dies sei bei vielen Grossküchen gegeben, meint der Planer, allein schon wegen der Gewerbespülmaschinen. «Ich bin froh, die eXergiemaschine durch Oskar Widmer kennengelernt zu haben. Mir ist in dieser Leistungsklasse keine ähnlich energieeffiziente Technik zum Nacherhitzen von Niedertemperaturwärme bekannt.»

Mark Iten ist Geschäftsführer der Enova AG in Münsingen
BMS-Energietechnik AG
Bönigstrasse 11A
3812 Wilderswil
Tel.: +41 (0)33 826 00 12
info@bmspower.com
bmspower.com
exergiemaschine.com
